Immer drei umsonst

Wann immer ich eine neue Nähidee habe, erscheinen nacheinander drei Gestalten neben der Nähmaschine, die liebreizend säuselnd versichern, dass sie nie etwas Schöneres, Tolleres oder Kreativeres gesehen hätten, um mir das fertige Nähwerk dann unter der Nadel wegzureißen.
Nach dem dritten Teil, das spurlos verschwindet, kann ich dann mit meiner Arbeit anfangen.

„Ich hätt auch gern so eins.“, lächelt mich der große Mann mit den blauen Augen gestern Abend liebevoll an.  

[Immerhin steht er beim Nähen nicht neben mir und zupft wahlweise an meiner Kleidung oder am Stoff, damit es schneller geht]

Wissen

Sollte es diesmal wieder so einfach sein, einen Namen zu finden?
Mit demselben unumstößlichen Wissen wie damals bei der Motte hat unser Sohn nun schon seinen ersten Vornamen.
Genauso ausgefallen und mit derselben bestimmten lächelnden Sicherheit.
Ja. Das ist er.

nackt

Nur der Eine, der alles sehen darf. Älter, erfahrener, unschuldiger und weiser. Ruhiger. Und hemmungsloser. Beherrschter.
Nur er darf die Masken fallen sehen, die Hüllen, die aufplatzen und das Ich offenbaren.

Er hat dem Herz schon oft Wunden zugefügt. Auch bleibende Narben. Nie absichtlich. Er würde nie vor mir etwas verbergen. Der Unterschied, von dem ich nie dachte, dass er existiert, verändert alles.

Wir schulden uns nichts weniger als die Wahrheit. Immer.

Erinnerungen

Die Wehmut lässt auf sich warten. Erinnerungen sind da, aber sie sind nicht wehmütig, nicht sehnsüchtig, nicht seufzend. Sie sind klar und rein.
Ich bereue nichts, möchte ich schreien und das ist wohl das Passendste zu jenem Tag vor vier Jahren.

Es war wie es war. Nicht perfekt, aber es war vollkommen.

Rund, mit allen Zweifeln, Schreien, mit aller Wut und Wucht, mit aller Liebe, mit jedem Stück Hingabe, mit dem Vertrauen, dem letzten Blick in die blauen Augen des Mannes, der nickte und sagte:

Ja. Ich sehe ihn.
Wir machen weiter.

Liebe.

Magnetismus

Ich bin in noch nie so schnell so hart geworden wie im Moment, sagt der Mann, der an Potenz eigentlich nicht zu überbieten ist. Und auch nach 5 Jahren schießt das Adrenalin jedes Mal in meine Adern, wenn wir uns berühren. So besonders. So kostbar.

Anne

So roh und unerträglich die letzten Wochen waren, so sehr waren sie auch Geschenk.

Endlich mit dem Kampf nicht mehr alleine sein.

Sich fallen lassen dürfen, jeden Tag. Nach dem Kampf, während des Kampfes. Wenn da (wenn auch nur virtuelle) Arme sind, die umfangen und für einen kurzen Moment alles abschirmen, das auf einen einstürmt.
Die kurze Pause, das Schreien, das jemand aushält.

Eine Stunde, zwei.
Vertrauen, Liebe, die es möglich machen, dass man sich offenbart. Angenommen wird. So wie man ist. Getragen.

In Freundschaft. In Liebe.

2010-03-25

Ausnahmezustand beschreibt die letzte Zeit wohl am besten. Ich weiß seit Januar nicht, wo die Zeit hin ist. Sie wurde gelebt, unglaublich intensiv, aber eben im Ausnahmezustand.

Ein Schritt vor, zwei zurück. Zwei Schritte vor, einen zurück. Alles war dabei. Und nach Mitternacht saß ich oft am Küchentisch und fand kein Ende, weil der nächste Tag graute. Mir.

Kein Platz mehr für irgendwas. Nicht für die Umarmung, nicht für den Kuss beim Nachhausekommen, keine Kraft, keine Reserve, nur Fallenlassen, Loslassen, Zusammensacken.

Und jetzt. Jetzt geht es voran. Steil bergauf und uneben, aber voran.
Fast ein anderes Leben, möchte ich flüstern, aber es fühlt sich so warm und so vertraut an…

Es ist unseres.

Hallo Winter

Es schneit. Es schneit, schneit, schneit.

Schnee! Mamimausi! Schnee!!

Und ich war doch gerade froh, nicht mehr drei Kinder mit mindestens 5 Schichten Kleidung und dicken Stiefeln versehen zu müssen, bevor wir sowas wie Natur überhaupt gesehen haben…

Achja. Ich werde alt.