Parallelwelten

In meiner Freizeit spiele ich ein MMORPG, dem mein ganzes Herz gehört – seit nunmehr über 12 Jahren.

Angefangen alleine, dann mit dem Mann gespielt, dann ein Jahr später eine Gilde gegründet. Mit Internetzmenschen.

Bis es irgendwann eskaliert ist, ich von einem auf den anderen Tag den Account gelöscht und einen Neuen erstellt habe, auf dem mich niemand findet.

Viele Jahre vergingen und zumindest ich hütete dieses Geheimnis meiner Zufluchtswelt, in der alles bunt ist, auch wenn meine Welt in Dunkelheit versinkt.

Jahre, in denen ich ausschließlich alleine oder selten mal mit dem Mann spielte. Gruppen nur mit fremden Spielern bildete, die ich nie wiedersehen würde.

Dann kam eine sehr lange Verletzungspause, in der ich so gut wie gar nicht spielen konnte, weil mein Körper streikte.

Seit einigen Monaten ist alles anders.

Da sind wunderbar liebenswerte Menschen aus Blogs und aus Twitter und aus meiner Vergangenheit, die sich alle bei uns versammelt haben, um mit uns zu spielen. Irgendwie hat das sehr schnell Fahrt aufgenommen und setzt sich erst langsam. Und was ich merke: Ich stehe vor demselben Problem wie schon vor 9 Jahren. Menschen.

Vor 9 Jahren wurde ich – wannimmer ich im Spiel eingeloggt war – angeflüstert, ob ich denn gar keinen Haushalt zu erledigen hätte, wer sich denn um meine Kinder kümmern würde, ob mein Mann wüsste, wie viel ich spiele… ein absolut übergriffiges Verhalten von Menschen, die ich aus meinem Leben gestrichen habe.

Am Abend war ich dann wieder gut genug dafür, Menschen durch Instanzen zu ziehen, ihnen Taschen oder sonstiges zu schenken oder andere Dinge zu tun, während gleichzeitig versucht wurde, hinter meinem Rücken meinen Mann anzugraben und vornerum unschuldig zu tun. Seitenhiebe inklusive.

Das staute sich über Monate hinweg in mir, bis ich dann an einem Tag einfach implodiert bin, alle Spieler aus der Gilde geworfen, einen kurzen Abschiedsbrief verfasst habe, weg war und nie wieder darüber geredet habe. Das hat leider auch die getroffen, die gar nicht so waren. Aber ich konnte einfach nicht mehr.

In der darauffolgenden Zeit musste ich erst wieder lernen, das Spiel zu lieben, das mir so viel bedeutet. Erst als der Stress wegfiel, merkte ich, wie sehr mich der Umgang mit diesen Menschen aufgerieben hat.

Heute ist vieles anders.
Ich bin nicht mehr dieselbe wie vor 9 Jahren.
Ich bin eine Andere.
Und ich kann anders auf diese Dinge reagieren, mit denen ich konfrontiert werde.

Ich spiele, wann und wieviel ich will.
Mein Leben, meine Regeln.

Ich spiele einen Großteil dieses Spiels als Wirtschaftssimulation und bin entsprechend lange auch einfach nur online, um nebenher von Zeit zu Zeit mal ins Auktionshaus zu sehen. Ich muss niemandem darüber Rechenschaft ablegen. Ich arbeite im Spiel für mein Gold. Ich bin niemandem etwas schuldig. Kein Gold, keine Gegenstände, nichts.

Wer Geschenke erwartet oder neidisch darauf ist, wenn ich jemand anderem etwas schenke, der hat selber ein gewaltiges Problem. Ich entscheide, für wen ich mein Gold ausgebe, mit wem ich meine Freizeit verbringe, für wen ich etwas tue.

Ein besonderer Punkt: Freizeit. Es ist meine Freizeit. Auch wenn viele Menschen es nicht glauben oder mir gerne unter die Nase reiben, dass sie im Gegensatz zu mir ja ach so früh aufstehen und arbeiten müssten, es ist meine Freizeit und davon habe ich nicht allzu viel. Wenn ich im Spiel eingeloggt bin, bin ich darum nicht einfach verfügbar.

Ich möchte genauso gefragt werden wie jeder andere auch.

Wenn ich etwas tue, fühle ich mich nicht verpflichtet, alle Spieler, die online sind, mitzunehmen. Ich bin kein Reiseunternehmen. Ich spiele gerne mit anderen zusammen, aber ich muss mir deswegen weder Seitenhiebe noch blöde Bemerkungen noch passiv aggressive Vorwürfe anhören, wenn sich jemand ausgegrenzt fühlt, nur weil ihm nicht der Hintern hinterhergetragen wird.

Wir sind alle erwachsen, jeder ist für seinen Spaß selbst verantwortlich.

Jeder spielt anders.
Ich spiele gerne nach dem Leistungsprinzip.
Ich mag auch chillige Runs und wipen ist nicht mein Problem, wenn der Rahmen klar ist. Wenn ich aber auf der einen Seite nach jedem Kampf gerne warte, bis jeder sein Spielzeug ausgepackt, sein Tier gewechselt, drei Screenshots gemacht und seine Ausrüstung andersrum angezogen hat, dann erwarte ich auf der anderen Seite auch, dass akzeptiert wird, dass ich durchaus abschätzen kann, dass Menschen, die sich weder um Bufffood, Stärkungszauber, Fläschchen Spielmechaniken, Bosstaktiken und Co. kümmern und Instanzen nur als netten Ausflug einer vor sich hinstolpernden Ansammlung von Gelegenheitsspielern betrachten, im Endcontent nichts zu suchen haben, ich ihn aber trotzdem spielen möchte. Nur dann eben ohne sie.

Die Vorwürfe dazu kann jeder dort stecken lassen, wo sie hingehören.

Es ist wie im wahren Leben: Wer immer nur alles geschenkt bekommen will, ohne auch nur ansatzweise etwas dafür zu tun, der wird unweigerlich enttäuscht werden.

Ich liebe meine Mitspieler und ich schätze ihre Unterschiedlichkeit und auch ihre Andersartigkeit, wenngleich ich viele Verhaltensweisen und Befindlichkeiten auch nicht nachvollziehen kann.

Aber das muss ich ja auch gar nicht.

Respekt reicht in den allermeisten Fällen völlig aus.

Am dicken Fell werde ich auch weiterhin arbeiten, denn es ist mein Spiel und es ist meine geliebte bunte Welt.

Die lasse ich mir kein zweites Mal kaputt machen.

Nachwuchs

Es ist manchmal schwer zu erklären, warum man gegen Kaninchenzucht ist, aber trotzdem Nachwuchs bekommt.

Mein Anspruch in der Kaninchenhaltung ist es, eine funktionierende Großgruppe zu erhalten, die aufgrund ihrer guten Sozialisierung auch Sonderlinge mitträgt.

Wir übernehmen immer wieder Tiere von anderen Menschen, die sich aus verschiedenen Gründen nicht mehr kümmern können oder wollen und oft stammen diese Tiere aus Zoohandlungen, sind zu früh von der Mutter getrennt worden oder haben aufgrund von Einzelhaltung schwere Verhaltensstörungen entwickelt, die es kaum noch möglich machen, sie in eine Gruppe zu integrieren. Eine Vergesellschaftung ist für alle beteiligten Tiere großer Stress. Wenn ein Sonderling in die Gruppe kommt, der einfachste soziale Verhaltensweisen wie Unterwerfung nicht kennt, kann das bei diesen Tieren schnell in ein Blutbad ausarten. Ich muss mir also sehr genau überlegen, wen meine Gruppe mittragen kann.

Das geht auch schon mal schief, natürlich. Wir hatten lange einen kleinen Kastraten dabei, der sich an keine Verhaltensregeln hielt. Immer wieder schlafende Kaninchen biss, sich erst unterwarf und dann fast gleichzeitig angriff, der Beschwichtigungsgesten ignorierte.

Das artet in Stress für alle aus.

Schweren Herzens habe ich dieses Tier wieder aus der Gruppe genommen und zu einem unkastrierten Männchen gesetzt, das wir zeitgleich von jemandem übernommen haben.

Und plötzlich funktionierte die Gruppe wieder einwandfrei. Die Harmonie war wiederhergestellt, die Tiere kamen abends wieder gerne in den Stall, weil sie keine Angst mehr haben mussten, dass der fiese Kleine wieder schlafende Kaninchen beißt. Wir können also auch unter besten Voraussetzungen nicht alle Verhaltensstörungen abfangen. Das entsprechende Tier sitzt nun in einer harmonischen Zweier-WG mit diesem anderen Männchen und hat seine Marotten abgelegt. Vielleicht können wir in der Zukunft noch einmal über einen Versuch in der Großgruppe nachdenken.

In einem weiteren Stall sitzt ein Angorahase, den wir im Sommer übernommen haben. Einzelhaltung, schlechter Zustand, keine Sozialisation. Er ist nun kastriert und soweit hochgepäppelt, dass wir die Zusammenführung mit der Gruppe planen können.

Der Großteil dieser Gruppe muss allerdings zwingend aus vernünftig sozialisierten Kaninchen bestehen, die es verkraften, wenn einer die Regeln eben nicht kennt, sich aber bemüht. Ich brauche verständige Tiere, die mit Geduld und Langmut ertragen können, wenn ein paar Andere aus der Reihe tanzen. Eine solche Gruppe kann nicht jedes Jahr neu zusammengewürfelt werden, sondern muss wachsen. Wenn eine Generation so alt ist, dass die verbleibende Zeit absehbar ist, dann muss das Fortbestehen mit sozial stabilen Tieren trotzdem gesichert sein.

Aus diesem Grund gibt es hier seltene Nachzuchten.

In diesem Fall ist die Mutter ein Tier, das bereits in unserem Stall geboren und in einer funktionierenden Großgruppe sozialisiert wurde, eine zweijährige selbstbewusste Kaninchendame mit Neugierde, vielen diplomatischen Fähigkeiten und guten Genen – der Vater ein geduldiger und etwas dusseliger Rammler, der das Herz auf dem rechten Fleck hat.

Die beiden Milchkekse, die gestern Nacht geboren wurden, dürfen bei uns aufwachsen und tragen dazu bei, dass die Gruppe tragfähig und belastbar bleibt.

Und ich freue mich unendlich, gleich zwei so wunderbare Babys mit derart guten Erbanlagen vom Leben geschenkt bekommen zu haben.

4 Jahre Ludwig

Mein geliebter Bär.

Mein Lulu.

Mein Kuschelbaby.

Mein Koloss.

Mein Ludwig.

Du kamst in einer Zeit des Umbruchs zu uns.

Wir hatten gerade die Zusatzkinder aufgenommen und ich klammerte mich wie eine Ertrinkende an einen Hoffnungszweig, der mir etwas inneren Frieden schenken sollte. Nicht lange vorher haben wir uns schweren Herzens gegen Hundehaltung entschieden, obwohl wir bereits einen Welpen in Aussicht hatten.

Aber nach Monaten im neuen Familiengefüge und mitten in einem größeren Nervenzusammenbruch war klar, dass ich eine Insel im Alltag brauche.

Und dann habe ich dein Foto gesehen. Du warst viel älter, als ich eigentlich wollte, aber es war etwas an dir, das mich nicht mehr losließ.
Also wagten wir den Sprung.
Und dann war unser Zusammenwachsen eine einzige Enttäuschung.
Stress pur.

Wo ich kuscheln wollte, wolltest du beißen, wo ich Ruhe brauchte, sprangst du vehement auf mir herum, hast meine Sachen zerstört, alles vollgepinkelt, warst garstig und unbelehrbar und eine Katastrophe auf vier Pfoten. Ich habe lange Zeit gebraucht, um zu verstehen, dass das das Einzige war, das mich durch diese Zeit gebracht hat.

Dein Anspruch an mich.
Für dich bin ich das ganze Universum.
Und wann immer ich weinend auf dem Boden saß und nicht mehr konnte, warst du da.
Vor niemandem sonst konnte ich zusammenbrechen. Nur vor dir.

Und du warst da. Immer.

Deine feuchte Nase, dein unbelehrbarer Dickkopf, deine Aufmerksamkeit, deine Liebe.

Deine Liebe…

Ich war vor dir schon Hundehalter, aber diese Seelenverwandtschaft zu einem Tier, die hast erst du mir gezeigt.

Diese Momente, in denen wir in der Arbeit zu einer Einheit zusammenschrumpfen, du mit deinen Antennen für jede meiner Stimmungen, ahnst Befehle oft früher als ich sie geben kann, doch wartest immer geduldig auf den einen Moment, in dem ich dich frei gebe.

Du bist ein Berserker mit einer Zärtlichkeit, die mir den Atem raubt.

Raues Spiel ist dir nur mit mir erlaubt und ich weiß, ich sehe nur einen winzigen Ausblick auf deine wahren Kraft, selbst wenn ich einige Male sehr ungünstig zwischen deinen Kiefern hing.

Es dauert nur den Bruchteil einer Sekunde, bis du dir gewahr wirst, dass du aus Versehen mich mit erwischt hast.

Deine Liebe zu mir ist unendlich. Meine zu dir auch.
Du hast lange gebraucht, um erwachsen zu werden und durftest dir Zeit lassen.

Nun, mit 4 Jahren bist du ein unglaublich reifer Hund.
Einer, der nachdenkt, bevor er handelt.
Der auch aus Gründen Gehorsam verweigern kann.

Ich schätze es sehr an dir, dass du nichts versuchst, was du dir selber nicht zutraust.

Du hast einen sehr wachen Beschützerinstinkt.
Ich habe dich einmal im Angriff gesehen und mir gefror das Blut in den Adern.

Einmal nur.

Jemand kam einfach auf unser Grundstück, hat mich und dich überrascht und du bist in vollem Lauf von der obersten Treppenstufe mit maximaler Geschwindigkeit auf diesen Mann zugeschossen.

Es war meine Stimme, die dich gestoppt hat.
Mitten im Sprung hast du abgebrochen.
Gebleckte Zähne, alle Haare aufgerichtet.

Du bist 40 Kilo pure Gewalt.
Und eine Seele voller Hingabe.

Zu mir.

Ich weiß nicht, womit ich einen Hund wie dich in meinem Leben verdient habe, aber ich bin jeden Tag unendlich demütig und dankbar für dich.

Ich liebe dich. So sehr.

Herzlichen Glückwunsch zum 4. Geburtstag, mein kleiner Braunbär, der du mal ein Hund werden wolltest.

Be(An-)bauungsplan

Wir haben einen großen Garten.

Nicht riesig, aber schon groß.
Das Haus steht mitten darin.

Nun ist es so, dass wir den Hasen einen ebenfalls wirklich großen Teil des Gartens abgetreten haben und den Raketenhühnchen auch. Die Kinder haben ihre Bewegungsstrecken und das 5-Meter-Trampolin, die Hunde haben ihre Rennstrecke und Schleichwege und wir haben natürlich Terrasse und Schaukelecke.

Da bleibt dann schon nicht mehr so wahnsinnig viel Platz übrig.

Jetzt habe ich aber die Ambition, möglichst viel Grünfutter für Frühling/Sommer/Herbst und Gemüse und Obst für uns anzubauen und fürs Einfrieren und Einkochen und Marmelade und Co. soll es auch noch reichen. Und Sonnenblumen. Es ist kein Garten ohne Sonnenblumen.

Ich kämpfe also um jeden Quadratmeter.

Im Hasengehege habe ich meine Pflanztische (in 1,50m Höhe wegen der Löffelterroristen) und ziehe die Pflanzen vor.

Von dort aus geht es dann auf umkämpftes Gebiet. Wird eine Pflanze geerntet, wird sofort die nächste Jungpflanze auf ihren Platz gesetzt. In der Gartenerde (Bruchsteinstücke mit Lehm verdichtet auf Fels) geht es auf keinen Fall, dort wächst nicht mal Gras – außerdem darf keine Pflanze so stehen, dass die Hunde sie beim Toben umsemmeln oder schlimmer noch anpinkeln. Also Hochbeete. (Hatte ich erwähnt, dass ein guter Teil des Gartens auch noch aus einem Hang besteht?)

Ich baue hier ein Hochbeet und dort Eines und habe Pflanzsäcke gefüllt mit guter Erde aus einem der 5 Komposthaufen. Und es ist immer zu wenig Platz. Immer. Man kann sich jetzt darüber streiten, ob ich wirklich 300 Kohlrabipflanzen brauche oder 200 Kopfsalat oder 70 Kilo Kartoffeln, aber jedes Gemüse, das wir nicht essen oder haltbar machen, landet bei den Kaninchen und spart dort wiederum Futter.

Wer Kaninchen einmal über ein Feld mit Gemüse hat herfallen sehen, dem ist klar, dass es hier ein zu viel nicht gibt und warum diese Tiere abgeschossen werden. Also, nicht bei uns im Garten, aber sonst eben.

Jetzt kam ich dank Pinterest auf die großartige Idee, meine großen Pflanzen (Gurke, Zucchini, LuffaGurke) nicht eingeschränkt hochranken zu lassen, sondern ein Drahtgestell in zweieinhalb Meter Höhe über Teilen des Kaninchengeheges zu bauen und ihnen für den Sommer quasi ein Schattendach wachsen zu lassen. Sie kommen nicht an, die großen Pflanzen bekommen ihren Platz, spenden dafür Schatten und wir können bequem unter durch laufen und Gemüse ernten.

Eine zweite Gartenetage.

Dass ich da nicht früher drauf gekommen bin!

Mai

Unbeeinflusst von dem Corona-Wahnsinn, der draußen tobt, erlebe ich hier im Garten gerade eine ganz wunderbare und friedfertige Zeit.

Ich habe Raum, Zeit und Muße, mich um meine Pflanzen und um die Gartenplanung zu kümmern. Und so verbringe ich bei passendem Wetter jede freie Minute draußen.

Die Setzlinge erfreuen mich jeden Tag, die Obstbäume haben einen außergewöhnlich reichen Fruchtansatz und auch die baulichen Veränderungen im Garten gehen voran. Der Garten geht gerade riesige Schritte auf dem Weg zu dem, wie er in meinem Kopf schon seit vielen Jahren aussieht. Und das ist ganz wunderbar.

Die Hecke hat inzwischen die zwei Meter überschritten – dieses Jahr wird das erste sein, in dem die Nachbarn nicht mehr mühelos von ihrem Stellplatz ins Hasengehege blicken können. Es ist eine grüne dichte Mauer, die so voller Leben ist, dass ich mich daran gar nicht sattsehen kann.

Die Gemüsepflanzen haben endlich einen hasen- UND hundesicheren Platz, es nimmt alles allmählich Form an. Ich bin durch das gute Wetter perfekt im Aussaatplan und habe einen ganzen Kopf voller Ideen und auch die gesundheitliche Verfassung, sie alle umsetzen zu können. Große Gartenliebe. Im Mai sowieso.

Einer der besten Monate des ganzen Jahres!

Die Tüte am Tor

Wir haben eine Nachbarin, von der niemand von uns weiß, wie sie heißt, wo genau sie nun „oben auf dem Berg“ wohnt oder wie ihre Lebensumstände sind.

Wir wissen nur, dass sie früher auch einmal Kaninchen hatte und beim Anblick unserer Tiere im Garten, wenn sie hinten über den Zaun schaut, viel Wehmut verspürt.

Es ist Jahre her, dass wir das erste Mal über die Tiere gesprochen haben und sie mich fragte, ob sie denn von Zeit zu Zeit ein paar Grünabfälle bringen dürfte – für die Tiere. Oder trockene Brötchen. Ihre hätten so gerne trockene Brötchen gegessen. (Unsere tun das natürlich auch liebend gern.)

Und aus „von Zeit zu Zeit“ wurde schnell „regelmäßig ein bis zweimal die Woche“ und ich freue mich von ganzem Herzen jedes einzelne Mal, wenn ich die Haustür öffne, und eine kleine Tüte am Tor hängt.

Mal sind es nur die Schale und die Blätter von einem Kohlrabi, mal getrocknete Brötchen, manchmal aber auch ein halber Salat und ein halber Blumenkohl. Ich verspüre sehr viel Zuneigung für diese Form von Zwischenmenschlichkeit.

Manchmal habe ich das Glück, sie rechtzeitig zu sehen und wir reden eine wunderbare Weile über Gott und die Welt, aber in den meisten Fällen hängt da nur diese Tüte, die Sinnbild für so vieles ist, was ich an diesem Leben liebe.

Adventskalendertürchen Nr. 24

Nr. 24 – Ich

Dieses ist das wichtigste Türchen.

Es handelt sich um den allerwichtigsten Menschen in meinem Leben – mich selber. 

Ich bin in diesem Jahr an vielem gewachsen, das ich mir selber ausgesucht habe.

Und noch mehr an dem, das ich mir nicht ausgesucht habe.
Ich habe meine Vorsätze für dieses Jahr bis auf Einen alle erfüllt.
Ich bin denen gerecht geworden, die mir wichtig waren.
Ich habe mich nicht verletzt.
Ich habe alle depressiven Phasen ausgehalten.
Ich habe trotz Angst und Panik abwarten können.
Ich habe meine Gefühle in Worte gefasst statt sie in mich hineinzufressen.
Ich konnte Fehlschläge wegstecken ohne das Handtuch zu werfen.
Ich habe eine neue Sprache gelernt.
Ich habe Sport gemacht.
Ich bin gesünder geworden.
Ich habe mich Menschen geöffnet.
Ich habe mein Muttersein zugunsten meines Ichseins zurückgeschraubt, damit ich die Kinder nicht erdrücke.
Ich habe oft Nein gesagt.
Ich habe neue Freunde gefunden.
Ich habe geholfen, mich aber nicht darin verloren.
Ich war offen, aber habe mich nicht verkauft.
Ich kenne meine Fehler und zähle sie nicht mehr zu meinen Schwächen.

Ich habe weniger gehasst und mehr geliebt.

Ich bin dankbar für meinen Weg, mein Leben und meine Erfahrungen. In diesem Jahr wurde ich 41 Jahre alt und bin der beste Mensch, der ich heute sein kann.

Adventskalendertürchen Nr. 23

Nr. 23 – Du

Du bist der Mensch, dem nicht nur meine tiefe Liebe und alle Loyalität gilt, sondern auch meine Dankbarkeit.

Du bist der Grund für mein Bestreben, jeden Tag ein besserer Mensch werden zu wollen.
Du bist mein Wegbegleiter, Gefährte, Vertrauter, Verbündeter, bester Freund, Liebhaber. Ein Bild von einem Mann.

Jede Fantasie beginnt und endet mit dir. Satyr. Dunkler Engel.
Intellektuell ebenbürtig, aber als Gegenpol, nicht als Gleicher.
Du treibst mich in den Wahnsinn mit deiner Pedanterie, scheinst erst einmal in vielen Dingen ganz grundsätzlich anderer Meinung zu sein, liebst Diskussionen so sehr wie ich sie hasse und schaffst es, mich trotz allem immer wieder liebevoll auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen.

Die Landung ist weich, denn absichtlich weh tun würdest du mir niemals.
Trotzdem sind wir durch tiefe Täler geschritten. Beide blutend, beide verwundet.
Wir sind auch im tiefsten Schmerz an der Seite des Anderen geblieben und dies auszuhalten, hat uns lange Zeit all unsere Kraft abverlangt.
Wir haben zusammen getrauert, zusammen gelacht, zusammen gekämpft.

Auch gegeneinander gekämpft.

Gerungen, um jeden Zentimeter Boden.

Dieses Jahr hat uns viel Zeit und Raum eröffnet, uns wieder einander zuzuwenden statt Seite an Seite oder Rücken an Rücken unser Leben nur zu bewältigen.

Das war ein großes Geschenk.

Ich bin dankbar, dass du gewillt bist, das große Abenteuer Ehe mit mir zu erleben.

Ich kann mir mein Leben auch ohne dich vorstellen.

Aber ich will es nicht. 

Ich will nur dich.

Für immer

Adventskalendertürchen Nr. 22

Nr. 22 – Das Städtchen

Wir haben uns viele Gedanken zu dem Thema gemacht, an welchem Ort wir unsere Kinder großziehen möchten.

Dass es unser Haus in genau dieser Kleinstadt geworden ist, hat viele gute Gründe.

Wir erreichen alles fußläufig – Kindergärten, Schulen, Arbeitsstelle.

Die Kinder haben ihre Freunde vor Ort.

90% unserer Stadtfläche sind Wald. Es ist immer grün.

Unsere Stadt ist an einem Fluss entlang erbaut worden und in ihrer Mitte thront eine imponierende wunderbare Burg auf einem Berg.

Alle Schulformen sind vertreten, wir haben alles, um in unserer Freizeit jeden Sport zu machen, den wir wollen.

Wir haben ausreichend Einkaufsmöglichkeiten und sind doch trotz allem so wenige, dass hier fast jeder jeden kennt.

Wir haben einen großartigen Bürgermeister, den ich sehr bewundere. Alles in allem ist dies der perfekte Ort für unseren momentanen Lebensabschnitt und ich bin sehr dankbar, dass wir ihn gefunden haben und hier so gut integriert sind.

Adventskalendertürchen Nr. 21

Nr. 21 – Rechtliches

Ich bin ein Mensch, der allem voran auf Sicherheit bedacht ist. Ich mag meine Angelegenheiten gerne geordnet.

Wir sind schon sehr gut abgesichert, wir haben einen fachlich kompetenten, gelassenen und menschlich ganz wunderbaren Notar und Anwalt, der uns von allem abschirmt, was in rechtlicher Hinsicht auf uns zugekommen ist und noch zukommen könnte und der seine Feuertaufe längst hinter sich hat.

Wir besitzen ein umfangreiches Testament, Vorsorgevollmachten, Lebensversicherungen, haben von A-Z so ziemlich alles geregelt, was man nur regeln (lassen) kann. Mich lässt das gut schlafen.

Das Einzige, vor dem wir uns die letzten Jahre ein wenig gedrückt haben, war der Ehevertrag. Eheverträge unterschreibt man am besten nicht in der ersten Verliebtheit und auch nicht erst kurz vor der Scheidung. Eine Ehe, die nach 14 Jahren und mit etwas Abstand zur letzten Katastrophe in relativ ruhigen Gewässern segelt, ist ganz gut dafür geeignet.

Also hat unser Notar uns auch in dieser Hinsicht beraten, Vorschläge gemacht, Denkanstöße gegeben. Wir sind in die sehr absurde Diskussion eingestiegen, wie wir uns das eigentlich vorstellen würden, so ohne einander, auch wenn wir doch das Gegenteil geschworen haben.

Das war seltsam aber für unser Miteinander sehr befreiend.

Ende 2019 kann ich sagen: Wir haben unseren Scheiß geregelt.

Und das ist ein gutes Gefühl.