10-Tages-Pensum

Kinderarzt Kind2 (Hören, Sehen, Impfen, Schreiben)
Kinderarzt Kind3 (Hören, Sehen, Malen, dumme Spiele)
Kardiologe Kind2 (wiegen, messen, 30 Sonden, Panikanfälle und Glitsche am Brustkorb)
Kardiologe Kind3 (wiegen, messen, 30 Sonden, Glitsche überall)
Hebamme (wiegen, messen, in einen Becher pinkeln, tasten, horchen, reden)
Frauenarzt (wiegen, messen, in einen Becher pinkeln, Blutabnehmen, untersuchen)
Krankenhaus Pränataldiagnostik (wiegen, messen, eine Stunde bewegungslos auf dem Rücken liegen und danach eventuell mit dem Kardiologen aus Punkt 3 und 4 über ein 4. Kind mit Herzfehler sprechen, aber hey, nicht in einen Becher pinkeln)
Geburtstag Kind2 (Panik, Party, Kuchen und Geschenke)
Party Kind2 (ein Halleluja dafür, dass die Nachbarn unter uns letzte Woche ausgezogen sind)
Geburtstag Kind3 (zwei Luftballons, eine Torte und eine Barbie, mehr braucht es nicht)
Elternsprechtag Schule Kind1 (haha. Ich versuche, niemanden zu verletzen)
Elternsprechtag KiGa Kind2 (siehe vorheriger Punkt)
Elternnachmittag KiGa Kind2 (ja, ein Nachmittag mit drei Kindern, von denen eines mir heißen Kaffee – den ich nicht mag – über den Schoß schüttet, weil das ein „Muttertagsnachmittag mit Kaffeetrinken“ ist, ist unglaublich entspannend und sehr im Sinne eines Muttertagsgeschenks)

Und dabei dauermüde.
Schwangerschaften sind einfach nichts für mich.
20. Woche.
Halbzeit.

Fürze der Erkenntnis

Und so lasset alle Hoffnung fahren… Irgendwann zwischen der vierten und der fünften Stunde monotoner Arbeit habe ich aufgegeben, mir einzureden, ich sei irgendwann fertig. Oder dass der Tag käme, an dem ich nicht immer und immer wieder das Gleiche tun würde, wie ein Hamster im Laufrad der Vorhölle.

Und mit leerem Kopf nickt es sich leichter zum neuen Grundgedanken mein Leben.

Loch

Ich habe noch keinen Weg gefunden, nicht in dieses Loch zu fallen. Die letzten Tage waren adrenalindurchtränkt, diesem besonderen Kind gerecht zu werden. Immer auf dem Sprung, abwägen, was nun das Verkehrte, was das Beste wäre… nach zwei Wochen Zwangspause vom Kindergarten. Und so wird aus mir ehemaligem Morgenmuffel ein sanft aber konsequent energischer Motivationsbolzen, der drei Kinder zeitgleich weckt, fertig macht, herumkommandiert und pünktlich aus der Haustür schiebt oder von A nach B bringt und auch wieder abholt. Es rächt sich. Die Vorbereitungen für heute haben mich bis gestern Abend um 10 Uhr auf den Beinen gehalten und seitdem geht es bergab. Talfahrt frei ins schwarze Loch der Müdigkeit.
Immer ist es das Gleiche, wenn ich mich nach außen wenden muss, mit anderen Menschen näheren Kontakt halten muss und mich nicht einigeln und schützen kann.
Ich möchte nur noch schlafen, schlafen, schlafen.

Ordnen

Ein Abschnitt ist zuende. Diese Asche, durch die wir die letzten Monate gewankt, gehustet, gestolpert sind, war furchtbar.

Der Feuervogel durchschreitet die Talsohle, um sich mit neuer immerwährender Kraft zu erheben. Es war gut, wie es war, möchte ich schreiben, aber das war es nicht. Es war nicht nur Asche unter unseren Füße, dort waren auch Scherben. Winzige kleine Glassplitter, die sich bei jedem Schritt ins Fleisch bohren.

Es war nicht gut. Es war nicht schlecht.
Es war wie es war.
Wir müssen uns neu positionieren. Wir alle. Als Freunde, als Partner, als Gefährten, als Familie und als Individuen.

Jetzt ist Luft da. Luft zum Nachdenken, zum Atmen, zum Entspannen, zum Fliegen. Und jeder muss seinen Weg wiederfinden. Oder neu suchen.

Für mich ist der Abschnitt Frau Limette zuende. Ich weiß nicht, was Neues beginnt, ich kenne mich noch nicht in diesem Zyklus meines Lebens.
Aber es fühlt sich gut an. Richtig. Leicht.
So soll es sein.

2010-03-25

Ausnahmezustand beschreibt die letzte Zeit wohl am besten. Ich weiß seit Januar nicht, wo die Zeit hin ist. Sie wurde gelebt, unglaublich intensiv, aber eben im Ausnahmezustand.

Ein Schritt vor, zwei zurück. Zwei Schritte vor, einen zurück. Alles war dabei. Und nach Mitternacht saß ich oft am Küchentisch und fand kein Ende, weil der nächste Tag graute. Mir.

Kein Platz mehr für irgendwas. Nicht für die Umarmung, nicht für den Kuss beim Nachhausekommen, keine Kraft, keine Reserve, nur Fallenlassen, Loslassen, Zusammensacken.

Und jetzt. Jetzt geht es voran. Steil bergauf und uneben, aber voran.
Fast ein anderes Leben, möchte ich flüstern, aber es fühlt sich so warm und so vertraut an…

Es ist unseres.

Hallo Winter

Es schneit. Es schneit, schneit, schneit.

Schnee! Mamimausi! Schnee!!

Und ich war doch gerade froh, nicht mehr drei Kinder mit mindestens 5 Schichten Kleidung und dicken Stiefeln versehen zu müssen, bevor wir sowas wie Natur überhaupt gesehen haben…

Achja. Ich werde alt.

ARGH!

Der Exmann kriecht mit 20 über die Autobahn und hat noch 80 km. *hrhrhr*

Der Mann kommt nun doch früher.
Das Kind hat kein Zeugnis.

“Was feiern wir denn nun?”, frage ich entgeistert in das traurige Tochtergesicht mit den Krokodilstränen in den Augen. Wir stehen uns im Schneetreiben gegenüber und da glitzern so zwei, drei dicke Tränen in den großen braunen Augen.

“Ich weiß es nicht!”, schluchzt das Kind und wirft sich in meinen Arm.

“Ja und die Geschenke. Und die Luftschlangen. Und die Ballons! Irgendwas müssen wir ja feiern, sonst sieht das beim Mittagessen echt doof aus.”, sage ich.

“Ich hab heut deinen Kalender fertiggemacht, den ich dir zu Weihnachten schenken wollte!”, strahlt sie mich an. Und setzt leise hinzu: “Also bis auf ein paar Monate. Aber mit dem Mai hab ich mir heute echt Mühe gegeben. Ist doch Kobolds Monat!”

Ich blinzle stoisch.

Na, wenn das kein Grund zum Feiern ist!

Wir schleichen mit dem Auto nach Hause und das Essen brutzelt schon im Ofen und der Reis kocht immerhin und wir werden vermutlich ohne den Exmann essen. Und mit dem großen hübschen Mann. Und mit Geschenken. Weil – der Kalender ist ja heute fertig geworden.

Also fast. Man soll die Feste ja feiern, wie sie fallen.

Papamotte

Der Mann muss arbeiten. Außer Haus. Das ist soweit gut und okay. Aber das Mottenkind ist krank. Richtig krank. Die ohnehin starke Fixierung auf den Papa vervielfacht sich in dieser Zeit.
Wacht sie morgens auf, sieht sie sich im Bett um, schluchzt auf und tapst verschlafen zur Haustür, um daran zu wackeln und “Papaaa” zu weinen. Es ist grausam für mich als Mutter, dass ich das nicht auffangen kann.

Es macht mich frustriert und wütend und hilflos. So hilflos.

Gestern war der große hübsche Mann morgens noch da, als die Motte aufwachte und es war, als hätte man ihr was ins Essen getan. Krank wie sie war, hoppste sie hier herum, quietschte hier entzückt und lachte da ein bisschen und freute sich. Ich dachte, ich seh nicht richtig.
Kaum war der Papa aus der Tür, hatte ich meine Maule-Motte wieder. Inklusive Herzschmerz, weil der Papa nicht da war. Ich kann das nur aushalten, nicht auffangen.

Heute also wieder Arztbesuch wegen stark verklebter Augen und Ohrenschmerzen. Der Mann und die Motte. Nicht ich. Sofern das alles klappt, nimmt er sich heute und morgen zwei der Krankheitstage, die ihm zustehen und kuriert die Motte aus.
Manchmal gehts nicht anders, auch wenn ich das gern allein schaffen würde. Dankbar, dass der große Mann mithilft.

Talsohle

Gestern hatte ich nach den letzten Wochen das erste Mal den Gedanken an unseren Kinderarzt. Kein Fieber, keine Lethargie, soweit alles prima. Nur das Gefühl… Gestern Abend der Gedanke an ein Antibiotikum und noch mal leise Zweifel, dass die Maus es diesmal allein schafft. Und in der Tat: am Abend wechselte der Schleim in den Augen seine Farbe von gelbgrün zu giftgrün.

Heute Nacht war bescheiden. Heute Morgen – wie jedes Mal, wenn ich meine Entscheidungen vom Arzt gegenprüfen lassen muss, die Frage, ob ich nicht früher hätte gehen müssen… Ich fürchte, das wird wohl auch auf ewig so bleiben. Wenn man die Kinder nicht für jeden Pups zum Arzt schleppt, muss man Verantwortung übernehmen. Und natürlich hinterfragt man das ständig. Aber nur um mich von der Verantwortung zu entbinden, setze ich die Kinder nicht einem unnötigen Arztbesuch aus. Mal ganz davon ab, dass unser Kinderarzt vermutlich herzlich lachen würde, wenn ich wegen Schnupfen oder Husten dort ankäme.

Dann Erleichterung: Das Mittelohr ist noch nicht betroffen, aber das Gefühl stimmte, die Ohren sind Dreh- und Angelpunkt der ganzen Sache. Noch nicht entzündet, aber so gereizt, dass genau jetzt der Zeitpunkt ist, wo die Motte alleine nicht mehr damit klar kommt. Also ein Antibiotikum und gut ist. Ihr erstes. Der Vormittag war gut.

Es geht bergauf.

Zähne und mehr

Die neue Zahnpasta, die explizit damit beworben wird, Kinder vom Zahnpastaessen abzuhalten, weil sie nicht süß und trotzdem für Kinder geeignet ist, führte nun dazu, dass der Kobold bei jedem Zähneputzen seine Schwestern an die Hand nehmen will und lautstark Pieppieppiep-gutenAppetit brüllt.

Soviel zum Thema Geschmacksneutralität.

Zähneputzen muss Spaß machen, missioniert der Erziehungsratgeber.

Zahnpasta ist kein Grundnahrungsmittel, brüllt der gesunde Menschenverstand.