Die drei Kinder, die alle denselben dritten Vornamen tragen, haben ihr gesamtes Leben lang am selben Wochentag Geburtstag.
Vier gewinnt!
Gute Entscheidungen?
Ich sehe jeden Tag, wie schwer sie sich damit tun, in einer normalerweise gleichberechtigten Beziehung die Führung zu übernehmen. Ich sehe die Unsicherheit beim großen Tochterkind, die Angst, es nicht perfekt zu machen. Die Angst vor der eigenen Courage beim Kobold, wenn er seiner großen Schwester ihre Aufgabe zuteilt. Und die enorme Erleichterung, sich getraut zu haben.
Die Übersichtsschwierigkeiten bei der Motte, die ihrem geringen Alter geschuldet sind und dann wiederum die Nachsicht der Großen, die ihr das Gefühl geben, das Kommando zu haben und ihr trotzdem kleine Hilfestellungen geben.
Es ist wohl eine der schwersten Aufgaben, andere Menschen so zu führen und anzuleiten, dass sie es gerne annehmen.
Unsere tägliche Achtsamkeitsübung im kleinen Kreis der Familie ist schon eine enorme Herausforderung für die drei. Sie müssen gemeinsam eine von mir klar vorgegebene und unkomplizierte Mahlzeit vorbereiten (momentan meistens das Abendbrot) und jeden Tag hat ein anderer das Kommando.
Und was ich da aus der Küche höre, lässt mich frohlocken, wenn der Kobold seine große Schwester rügt: „Ich finde, dass du heute nur rumkommandierst und überhaupt nicht sagst, dass wir das gut machen. Ich fühle mich überhaupt nicht gesehen von dir.“
Es arbeitet. In ihnen allen.
Wege
Manchmal ist die Last, die Verantwortung für all diese Leben zu tragen, fast untragbar.
Es ist nicht mal nur das Hier und Jetzt, es ist das Paket, das für die Zukunft geschnürt wird.
Die Erinnerungen, die sie weit über meinen Tod hinaus mit in ihr Leben nehmen werden, die Erfahrungen, die ich ihnen ermöglichen kann, will, darf, auf die sie in etlichen Jahrzehnten zurückblicken werden, die sie mit sich tragen und vielleicht weitergeben werden, die sie vorbereiten, sie bereichern, ihren Weg erleichtern können…
Manchmal möchte ich einfach nur einen Eimer mit Sand für meinen Kopf haben.
Ära, neu
„Mama, sag mal, warum sind Fische so glitschig?“, fragt die große Tochter auf der Autofahrt an einer roten Ampel und ich setze zu einer ernsthaften wohldurchdachten kindgerecht fomulierten Antwort an.
„Nein, Mama. Damit sie nicht quietschen, wenn sie um die Ecke schwimmen.“
Ich starre sie entgeistert an. Es ist totenstill im Auto.
Dann, plötzlich, ein Prusten. Sich stetig steigerndes Gegacker. Und schließlich brüllendes Gelächter von drei Kindern.
Ich starre immer noch. Fassungslos.
„Mama…du hattest mir doch dieses Witzebuch geschenkt…“
Ich erinnere mich dunkel.
Verlust kindlicher Unschuld zugunsten einer platten Pointe.
Ich geh dann mal weinen.
[Was kann eine Familie nicht unter Wasser machen? – rund um eine brennende Kerze sitzen…]
Wir wollen EIS!
„Eisdiele!“, brüllen die zwei Mittelkinder, als ich sie vom Kindergarten abhole und nach besonderen Wünschen frage.
Es schneit. Es sind gefühlt Minus 5 Grad. Ich ziehe die Augenbrauen hoch und frage, ob es nicht zu kalt dafür sei.
Nein, sei es nicht.
EIS! Es sei Frühling! Frühling! Bald sei Sommer! SOMMER! Und da es ja somit schließlich quasi Sommer sei, könne man jetzt auch ein Eis essen gehen! Unbedingt!
Also stehe ich mit 4 Kindern wenig später in der Eisdiele und gehe dann mit ihnen auf den naheliegenden Platz zum Toben und Spielen.
Kaum angekommen stehen 3 bibbernde schlotternde Kinder vor mir, die mich anflehen, doch bitte wieder nach Hause zu dürfen, das war eine doofe Idee mit dem Eis und überhaupt ist zwar Frühling aber eigentlich ist es ja noch Winter und es sei bitterkalt und sie würden frieren und das Eis mache alles noch viel unerträglicher und ob sie zuhause in die warme Badewanne könnten, sie würden auch Haare waschen, ohne Geschrei und alles oder zumindest den Rest des Tages mit Bettdecken direkt an der Heizung verbringen dürften und überhaupt seien diese Temperaturen auch bestimmt nicht gut für das Baby, das auch schon ganz erfroren aussehen würde und da würde man ja auch Rücksicht nehmen wollen.
Ich habe nicht gegrinst.
Und das hat mir alles abverlangt.
Challenge, Baby
Vier Kinder zuhause, zweieinhalb davon krank, dauerbrüllendes Baby mit Zahn, das im Wachzustand nur auf dem Arm sein kann, ich selbst mit Magen-Darm-Grippe mit Niesanfällen und Schließmuskelinkontinenz.
Was uns nicht umbringt…
Leseratte vs. Buchmuffel
Das große Tochterkind liest den dritten Teil von HarryPotter, nachdem sie heute Morgen mit tief blutunterlaufenen Augen ins Schlafzimmer zum GutenMorgen-Sagen kam und Teil zwei gestern wohl auch noch deutlich nach der Schlafenszeit gelesen hat.
Der Kobold turnt um sie rum: „Duhuuuu, spielst du mit U-Boot?“
Nach der fünften Ansprache schüttelt sie endlich kurz den Kopf und antwortet, dass sie lieber lesen möchte.
Grummelig zieht der Sohn von dannen:
„Also wenn ICH mal lesen kann, werde ich jedes Buch als Film kaufen.“
Spaß…
Vielleicht ist das größte Unrecht, das wir unseren Kinder antun können, die Anspruchshaltung, dass ihnen alles Spaß machen muss, was zu ihrer Weiterentwicklung beiträgt.
Sich durchbeißen muss heute niemand mehr.
Man will schließlich kein lustloses oder schlecht gelauntes Kind, keines, dass man zwingen muss im Rahmen dieser neuen weichgespülten Erziehung, die so oft mit einer gleichberechtigten Partnerschaft verwechselt wird.
Aber unsere Kinder sind nicht unsere besten Freunde.
Besuch aus dem Morgenland
Die Motte weint, Mamimausi.
Nein, sie singt.
Nein, Mamimausi, hör doch mal. Sie weint! Du musst da hin gehen!
Nein, Kobold. Sie singt. Das hört sich eben nur sehr … speziell an.
Du meinst, als wenn jemand ihr dabei auf den Kopf haut?
Hmhmm. So ähnlich.
Schneckentod
Habe die tote Schnecke der Motte ausgekocht, damit sie wenigstens das Haus als Andenken behalten kann.
Hätte ich vorher gewusst, wie bestialisch das stinken würde, hätte ich es nicht getan.