Alb. [Erbsenstein]

Die Träume sind wieder da.

Seit einigen Wochen nun schon setzen sie sich dunkel, verstörend und destruktiv in meinen Nächten fest. Nächte, die nicht mehr erholsam sein können. Nächte, die gefürchtet sind, wenn die Stunde naht. Träume, aus denen ich schweißgebadet aufwache, voller Panik, Angst und Hass. Schwärend.

Vor vier Tagen ist nun mein geliebtes Tier gestorben, das mir in den Stunden mit der Nase in seinem steingrauen Fell so viel Frieden schenken konnte, seit unser Leben nicht mehr unseres ist. Immer noch oben drauf, immer noch mehr, immer schwerer, immer tiefer.

Seit vier Tagen brennt die Kerze ununterbrochen.
Trotz Sturm, Regen und Hagel.
Vier Tage, seit wir ihn in sein nasses, dunkles Grab gelegt haben.
Vier Tage schon.
Vier Tage erst.

Ich mag nicht mehr in den Stall zu den anderen Tieren gehen.
Mir fehlt das Grau.

Lieber Alfred,

ich habe so lange überlegt, was ich dir schreiben soll. Ob ich dir schreiben soll. Ich habe mich dagegen entschieden.
Du warst mir auf den ersten Blick sympathisch.

Ich wurde dir unsympathisch, als du hier einziehen wolltest und wir nicht sofort mit Pauken und Trompeten Ja gesagt haben, zusätzlich zu 6 Kindern, dazwischen zwei, die wir nicht kennen, deren Mutter vor einigen Monaten gestorben ist und die einen Haufen Probleme mitgebracht haben, auch noch einen mopsfidelen 77jährigen mit dem Anspruch, gerne den ganzen Tag von mir bekocht und umsorgt werden zu wollen, das größte Zimmer im Haus, das inzwischen ganz schön eng geworden ist, bewohnen und ansonsten die nächsten 10-15 Jahre hier einen schönen Lebensabend verbringen zu wollen.

Jetzt ziehst du weg. Zu deinem jüngeren Sohn.
Ich bin in deinem neuen Zuhause nicht willkommen.
Das hast du deutlich gemacht.
Dein ältester Sohn und die zwei Zusatzkinder schon.
Deine anderen Enkel nicht.

Vielleicht hören wir uns noch einmal.
Vielleicht auch nicht.

Es ist ja nicht so, dass du jemals etwas über mich wissen wolltest.
Nimm die Lügen, die du über mich geglaubt hast, mit.
Es ist wie es ist.
Ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass du dort glücklich wirst.
Leb wohl und Gute Reise.

Alles hat seine Zeit [Kerstin]

Das Leben hat ein verdammtes Scheiß-Händchen für Bühnenbild und Beleuchtung. Es ist früh, es ist kalt, wir stehen auf einer Bergspitze inmitten all unserer Kinder unter freiem und strahlend blauem Himmel.

Der Ausblick ist atemberaubend und die Sichtweite endlos.
Es ist das Leben. Pur, klar, rein.

Wir sehen uns nicht oft, aber unsere Kinder haben eine bemerkenswerte Parallelität. Sie hat 5, ich habe 4. Die großen Töchter fast gleichalt und in Parallelklassen, dann die zweiten Kinder durch Prügeleien und Hassliebe verbunden, der Kobold und ihr großer Sohn sind mal dies, mal das. Unsere jüngsten beiden sind ziemlich genau gleichalt.

Das letzte Mal haben wir uns gesehen, als wir noch in den Vorbereitungen zur Aufnahme der Zusatzkinder steckten.

Als wir uns herzlich begrüßt haben, schrumpft unsere Welt plötzlich auf unsere beiden Augenpaare zusammen.

Ich sehe in Augen, wie ich sie grauer und schmerzerfüllter noch nie gesehen habe.
„Du hast zwei Kinder dazubekommen?“ Ich nicke.
„Sie hat es nicht geschafft?“ Ich schüttle stumm den Kopf.

„Ich muss auch bald sterben“, sagt sie leise und ich kann sie nur fassungslos anblicken. „Der Krebs ist wieder da.“
Das Blut rauscht durch meine Adern und ich höre nur noch meinen Pulsschlag und sehe nur noch ihre Tränen.

„Nein.“, ist das Erste, das ich sage, „Nein.“
Ich kenne diese Frau nicht. Nicht wirklich. Und doch öffne ich die Arme und drücke diesen zierlichen kleinen Menschen an mich.
Das darf nicht sein, das kann einfach nicht sein. Nicht schon wieder.
Und so stehen wir dort und weinen.
Jeder für sich und doch miteinander. Die Worte, die wir wechseln, kommen und gehen von Herz zu Herz.

Es gibt nur wenig, das den Kontakt zwischen zwei Menschen ehrlicher macht als der Tod.

Viel später wandern meine Gedanken zu der Frau, die ich so viel besser und so viel weniger kenne. Was macht das Leben da?

Freundschaften [Unterschiede]

Der Sohn hat seit mehreren Tagen seine beiden besten Freunde hier.

Das bedeutet im Wesentlichen: leerer Kühlschrank, verwüsteter Garten, viel Geschrei, blaue Flecken, Blut und zwei Stunden xBox zur freien Verfügung am Tag. Gerade spielen alle drei gemeinsam mit der Motte ein Spiel, in dem sie deutlich besser ist als er.

Der Sohn hat in dieser Hinsicht eine eher geringe Frustrationstoleranz und meckert und motzt sie an, was das Zeug hält. Sie kennt ihn ihr Leben lang und weiß das ganz gut zu nehmen. Grinsend versetzt sie ihm einen weiteren Schlag und kichert.

Er wirft wütend seinen Controller auf Sofa.
Besuchsfreund1 sieht ihn interessiert an und sagt beruhigend:
„Lass dich doch nicht ärgern! Das ist alles Fleiß, Übung, Spaß und schlussendlich ist es sowieso nur ein Spiel.“

Besuchsfreund2 schubst ihn fassungslos vom Sofa und brüllt:
„Alter! Lass dich doch von deiner kleinen Schwester nicht so abziehen! Da kannst du ja gleich sterben gehen!“

Ich lieb sie.

Alle miteinander.

Vom Großwerden

 Das wunderbare große Kind macht heute sein zweites Praktikum und ich sehe ehrfürchtig auf dieses hochgewachsene wunderschöne Menschenkind, das ich doch erst gestern neugeboren in meinen Armen hielt.

Es geht mir zu schnell und gleichzeitig genieße ich sie so sehr, wie sie sich verpuppt und schon bald aus ihrem Kokon schlüpfen wird, bevor sie dann die Flügel ausbreitet und in die Welt davonfliegt. Sie strahlt von innen heraus und ich könnte manchmal einfach nur dasitzen und ihr zusehen und sie dabei anhimmeln.

Natürlich reiben wir uns aneinander, natürlich findet sie mich manchmal doof und ich sie mindestens genauso, aber ohne diese Ablösung wäre ein Verpuppen ja auch gar nicht möglich. Also genieße ich einfach jeden Tag mit ihr und beobachte mein erstes Kind, wie es sich langsam auf den Weg macht.

Meine geliebte kleine Giftbeere.

Bankrott

Okay.

Absicherung war also nicht dein Ding.

Du hast dich stattdessen vor deinem Tod heimlich für die Variante All In entschieden. Dir dein Geld aus der Lebensversicherung auszahlen lassen für Dinge, die es komfortabler und schöner machen.

Ich kann das sogar ein Stück weit verstehen.
Das letzte Hemd hat keine Taschen und so…
Aber rechtlich haben deine Kinder nun gerade einen ziemlichen Scheiß an der Backe.
Und wir damit auch.

Wir, unser Anwalt, mehrere Banken und dem Himmel sei Dank sehr kompetente Mitmenschen versuchen gerade alles, um das Schlimmste abzuwenden. Die Schulden werden solange mit jedem Monat um ein Vielfaches größer. Die Null für die Kinder ist unser neues Ziel. Fraglich, ob wir es erreichen können.

Ich habe alles in deinem Haus durchsucht. Es war schrecklich. Deine Eltern wollten das nicht machen. Also haben wir es gemacht. Mit vier Kindern. Man sieht dem Haus an, dass du keine Zeit oder vermutlich auch keine Kraft mehr hattest, dort noch anzukommen.
Ich stell schon keine Fragen mehr.
Du hast alles, was du dort mit hingenommen hast, zwei Monate vorher bewusst eingepackt, um dort hinzuziehen und dort zu sterben. Du wusstest das schon. Und ich weiß, der menschliche Geist ist ein professioneller Verdrängungskünstler, aber so grundlegende Sachen wie die ausufernde Gewaltporno- oder Sexspielzeugsammlung – du warst beim Umzug ins Hospiz noch handlungsfähig. Deine Kinder gingen noch in dieses Haus. Einmal Mülltonnendeckel auf und gut wärs gewesen.

Es ist nicht von dir in diesem Haus gewesen. Keine Bilder an der Wand, keine gerahmten Fotos, keine Notizen, keine Tagebücher, nichts. Keine Briefe. Kein Schmuck zum weitergeben an deine Tochter, es war einfach nichts. Und jetzt bin ich nach diesen Tagen mit meinen Kindern dort so müde. Wir haben auf dem Fußboden geschlafen, wir haben jeden Tag durchgeschleppt, sortiert, geordnet, ausgemistet, Sachen weggeworfen.

Ich kann den Menschen nicht greifen, der dort gelebt hat, aber das hast du ja auch gar nicht richtig. So ist deine Pornosammlung das, was mir nun nachhängt. Das ist nicht das, was ich zu finden erhofft hatte.

Ich bin müde. Als ob wir nicht auch so schon genug bewältigen müssten.

Endspurt [Startaufstellung]

Ich packe gerade.

Wir fahren heute Mittag los und die letzten Vorbereitungen für Sonntagabend, wenn wir zu Acht wiederkommen, laufen. Ich habe die Betten der Kinder bezogen, das Zimmer deiner Tochter ist soweit fertig, dass sie sich zurückziehen kann, sobald sie hier ankommt. Das Zimmer deines Sohnes hat bislang nur ein Bett und einen Schreibtisch – er hat Großes vor bezüglich der Zimmergestaltung (neongrün! neonblau! neonorange!) und das werden wir in den Sommerferien umsetzen.

Sie packen ebenfalls. Wir haben diese Woche oft telefoniert und auch sie liegen in den letzten Zügen zum Neubeginn. Sie müssen sich verabschieden. Die Pflegefamilie ist wirklich großartig und macht das gut. Auch mit dem Abschied.

Vier Monate waren sie nun da. Mitte Februar bist du ins Hospiz gezogen und sie zur Pflegefamilie. Nun ist es Ende Juni und sie kommen hierher. Und wir dürfen endlich ein Zuhause für die Beiden sein.

Übermorgen holen wir sie ab und bis dahin werden wir dein altes Haus ausräumen und hoffen so sehr, dass wir noch Unterlagen finden. Bankunterlagen, besonders. So wie es aussieht, hattest du keine Lebensversicherung und nach aktuellen Hochrechnungen wird der Verkauf der Häuser gerade mal reichen, deine ganzen Schulden zu bezahlen. Ich habe Kopfschmerzen deswegen.

Wir hängen da finanziell tief drin, weil der Mann als Vormund der Kinder das Erbe angenommen hat. Mit der Entscheidung des Vormundschaftsgerichtes haben wir den ganzen Mist nun an der Backe.

Das heißt: Was auch immer an Gewinn übrig bleibt, wird für die Kinder festgelegt, damit sie nach ihren Ausbildungen an das Geld kommen. Was auch immer an Schulden übrig bleibt, müssen wir tragen. Wir persönlich.

Ich hoffe inständig, dass du dir Gedanken über solche Dinge wie Absicherung gemacht hast und wir diese Dinge heute Abend finden. Wenn nicht, sind die nächsten schlaflosen Nächte dann unsere. Ich verspüre körperliches Unwohlsein bei dem Gedanken, dass wir deine gesamten Sachen durchsehen müssen. Aber wir müssen das Haus für den Verkauf ausräumen. Wir müssen deine Unterlagen finden und diese Dinge regeln. Und wir haben dafür nur zwei Tage Zeit.

Am Montag geht hier der Alltag los. Zu Acht.

Ich wünschte, ich könnte dich verstehen. Und ich wünsche mir, heute Abend und morgen Dinge zu finden, die mich deine Entscheidungen besser verstehen lassen.

Puzzleteile

Dir wird ja schon aufgefallen sein, dass ich in Gedanken oft mit dir rede.

Deine Kinder kommen hierher. Und weißt du was? Das ist ganz großartig. Es stellt sowohl unser Leben als auch unsere Planung auf den Kopf und rührt alles einmal ordentlich durch. Es wird anders werden als alles, was wir uns vorgestellt haben. Aber wem erzähle ich das? Ich bin mir sicher, sterben stand für dieses Jahr auch nicht auf deinem Plan.

Es wird nicht leicht werden, nicht einfach, nicht ohne Probleme oder Stolpersteine, aber es ist das Richtige. Auch wenn du das anders gesehen hast. Manchmal möchte ich mich fast bei dir entschuldigen, dass es nun alles so anders kommt, als du wolltest, aber ich verstehe dich nach wie vor nicht. Warum hast du sie direkt vor deinem Tod so weit von Zuhause weggebracht? Ich verstehe, warum DU 400km in den Norden ziehen musstest. Ich verstehe, dass du in der alten Heimat sterben wolltest. Am Meer. Ich verstehe das.

Was wolltest du für die beiden?
Wo sollten sie leben?
Hauptsache nicht in der Nähe ihres Vaters?
Was hat dich angetrieben?
Wir wissen es nicht.

Aber diese Entscheidung bedeutete, dass du zwei Kinder drei Monate vor deinem Tod von ihrem Zuhause, aus der Schule, aus dem Freundeskreis, von ihrem Großvater, der mit ihnen im selben Haus gelebt hat, wegreißen musstest, um das zu tun.

Die Richterin nicht, das Jugendamt nicht, die Pflegefamilie der Kinder nicht, wo sie leben, seit du ins Hospiz gekommen ist – sie sind nach dem Umzug dorthin ja mehr oder weniger auch sofort von dir weggekommen – sie alle tappen im Dunkeln. Deine Eltern wedeln mit 11 Jahre alten Briefen, die im emotionalen Ausnahmezustand einer Trennung geschrieben wurden und wiederholen in Endlosschleife, was für ein schlechter Mensch der Mann ist.

Was zur Hölle hast du dir für Gedanken für die Kinder gemacht? Und weißt du noch was? Das ist kein Angriff. Diese Worte könnten nicht weiter davon entfernt sein. Verstehen will ich dich. Muss ich.

Ich werde in ein paar Wochen deine Kinder hier bei mir aufnehmen. Sie erziehen und begleiten. Und ich werde auch dich mit hierhernehmen. Du bist ein Teil von ihnen, so wie sie ein Teil von dir sind. Das passt jetzt nicht gut zu dem Bild, das du vor so vielen Menschen in all den Jahren von uns hochgehalten hast, ich weiß das wohl. Wir hätten uns nicht rühren müssen. Nicht ein Stück. Haben wir aber. Wir stehen hier. Schon lange. Hilfe wolltest du nicht. Keine Unterstützung, keinen Kontakt, nichts. Wir haben das akzeptiert. Aber wir haben die Zeit genutzt, uns vorzubereiten. Unsere Kinder auf den Tag vorzubereiten, der nun bald naht.

Wir haben vor Jahren Kontakt zu dir herstellen wollen. Mit dem Jugendamt. Du hast das verweigert, auf ganzer Linie, gegen jeden Einwand.

Und es macht mich wütend und hilflos, wenn ich darüber nachdenke, was ich deinen Kindern von dir mitgeben soll.

Du hast nichts hinterlassen.

Ich habe jetzt eine Tüte voller Restsachen von dir bekommen. Wie soll ich wissen, was du deine Kinder von dir wissen lassen wolltest? Wir haben nichts. Wir haben Tüten. Und wir haben Müll. Wir haben weder Fotos noch Briefe noch irgendwas, womit wir dein Andenken mit Leben füllen können.

Das werden wir uns irgendwie noch zusammensuchen müssen. Weiß der Kuckuck, woher.Ich vermute, dass du dir in den letzten zweieinhalb Jahren sehr wohl Gedanken gemacht hast, was du ihnen mitgibst. Aber wo sind diese Sachen? Wir bräuchten wirklich ein wenig Hilfe. Ein Foto von dir. Ich brauche ein Foto von dir. Für unser Haus.

Verdammt noch mal, verstehst du das überhaupt?

Wir lassen dich nicht sterben, egal wie tot du bist.

Vom Erblühen

Ich mache mir tausend Gedanken. Zu Organisation, Zeitplanung, zu allem Möglichen.

Neben all den Gesprächen mit Jugendamt, Anwälten, Gericht und Pflegefamilie ist es aber Zusatzkind1 und sein Bild von sich selbst, das mir am meisten Gedankenarbeit beschert. Einem Kind Selbstwert zu vermitteln, der nicht auf Reaktionen oder Wertvorstellungen anderer Menschen beruht, ist wohl eine der größten Aufgaben, denen man sich bei der Erziehung stellen muss.

Hier gilt die Regel, dass jeder sein eigenes Leben leben muss.
Jeder ist selbst für sein Glück verantwortlich.
Ich muss das Leben meiner Kinder nicht leben.
Keiner ihre Freunde muss ihr Leben leben.
Darum gibt es auch nur eine einzige Person auf der ganzen Welt, die ihr sagen kann, was für sie das Richtige ist.

Nun wird das Zusatzkind bald hierherkommen und sie kommt aus einer ganz anderen Welt. Eine Welt, wie die meisten Menschen sie kennen.
Eine, die aus emotionaler Erpressung, Druck, und Erwartungshaltung besteht.
Und die von keinem Menschen schlechter denkt als von sich selbst.

Sie verabscheut ihren Körper, ihr Aussehen, ihre Weiblichkeit und ihre Intelligenz. Es sind harte Worte, die sie für sich selber findet.

Was mache ich nur mit ihr?

Ich kann die Zeit nicht zurückdrehen, ich habe diese 14 Jahre Erziehungsarbeit nicht mehr zur Verfügung, ich kann das Kind doch aber auch nicht in dem Glauben lassen, dass das alles schon richtig sei? Ich weiß nicht, ob ich ausreichend darauf vorbereitet bin. Ich weiß nicht, ob ich ihr genügend Rüstzeug mitgeben kann.

Manchmal erscheint mir die Aufgabe, die vor uns liegt, als viel zu groß.

Norbert ist ein Idiot. [Lebe den Moment]

„Norbert ist ein Idiot!“ ist zurzeit wohl der meistzitierte Satz dieses Haushaltes.

Die Kinder sind große Minions-Fans und ich kann mich dem Charme der kleinen Biester auch nicht entziehen. Und da wir Partyzeit haben, habe ich meinen gestrigen Abend statt mit trüben Gedanken eben mit Ü-Eier-Bemalen verbracht, damit die Motte die Einladungen morgen mit zu seinen Freunden nehmen kann.

Auch die Party vom Kobold letzte Woche war eine großartige Ablenkung in all dem Trubel und die Überlegungen, die ich gestern schon vor dem Mann formuliert habe, reifen in meinem Kopf zu etwas, das sich fast wie Gewissheit anfühlt: Vielleicht liegt mein Fokus zu sehr auf dieser großen Umwälzung.

Ich kann in Gedanken kaum auf etwas anderes blicken als auf diesen Tag und die folgenden Wochen, wenn die Kinder endgültig zu uns kommen.

Jugendamtshilfe, Trauerbegleitung, neue Schulen suchen, neue Einrichtung – die Kinder kommen mit ihrem Koffer und vielleicht ein oder zwei Kisten persönlichen Habseligkeiten. Wir brauchen Betten, Matratzen, Kleidung, Schuhe, müssen die Zimmer oben umbauen … ich rotiere schon wieder, wenn ich nur daran denke.

Unsere gesamte Finanzplanung steht Kopf und wenn ich einen Blick darauf werfe, was wir bislang an Kosten hatten, dann mag ich kaum überschlagen, was uns dieses Abenteuer insgesamt kosten wird, bis alles in geregelten Bahnen verläuft…. Mein Gehirn verliert sich in einer endlosen Tirade aus Aufzählungen, Bedenken, Überlegungen, Zukunftsvisionen und roten Zahlen.

Und dann sehe ich in die kleinen gelben Gesichter auf meinem Schreibtisch. Der Alltag läuft unbeirrbar weiter. Und vielleicht ist das ganz gut so.

Mir fehlen meine Leichtigkeit und mein Lachen.
Und genau dies sind die beiden Dinge, die ich vermutlich am meisten brauchen werde.