Hausbesetzer Hausbesitzer.
Zuhause
Freiheit vs. Flashback
Es ist ein Randproblem, allerdings eines, das meinen Tellerrand so weit erhöht, dass ich nicht mehr darüber hinaussehen kann. Notartermin für den Kauf eines Hauses. Freiheit. So nahe. Und ich kann nur daran denken, wieviel Mauer ich noch hochziehen muss, um diese Stunde mit mindestens fünf Männern ohne weitere Frau in einem kleinen Raum zu überstehen.
Ich schlafe schlecht, ich träume schlecht, in meinem Bauch klumpt sich ein großer harter Stein aus Panik, Angst und Erinnerung zusammen. Ich weiß, ich bin sicher. Ich weiß es. Ich weiß auch, dass es keine gefühlte Sicherheit mehr für mich geben kann. Also muss der Kopf das komplett übernehmen. Keine Gefühle, keine Emotion.
Nur funktionieren.
Meins, meins, meins!!!!!
Ich erwarte eine Anzeige wegen Stalking, da ich es mir nicht verkneifen kann, jeden Tag (auch mehrfach) an dem Haus vorbeizufahren und leise seufzend anzuhalten, um in den Garten zu starren. Die Kinder sind davon eher semi-begeistert, ich könnte auch noch stundenlang weiterstarren. Ein Garten. Mein Garten. Endlich wieder Erde und Pflanzen. Das war definitiv der härteste Teil der letzten 8 Jahre. Der Mann sagt immer nur „bald“ und ich verdrehe die Augen und zähle die Stunden, wann ich wieder diesen kleinen Umweg machen kann, um kurz unser Haus anzusehen, wenn ich ihm schon nicht näher kommen kann. Den Vorschlag, mich während der Arbeitszeit des ehemaligen Eigentümers in den Garten zu setzen, hat der Mann leider auch abgelehnt. Ein Garten. Ein GARTEN! Mit Haus. Mit HAUS!
Ich vergehe dann mal glückselig seufzend in Sehnsucht.
Am Halse
Bei dem Haus von Familie V., auf das wir an Weihnachten gehofft haben, durften wir erfahren, wie es ist, in ein Haus verliebt zu sein.
Liebe dagegen offenbart sich wohl nur selten auf den ersten Blick. Und so sagten wir den ersten Termin vor Weihnachten ab, weil wir krank waren und weil wir ja in das eine Haus so verliebt waren. Beim zweiten Termin rannte ich fast rückwärts wieder aus dem Haus heraus, habe weder alle Zimmer gesehen noch dem Besitzer oder dem Makler zugehört. Einen Tag später beim Makler angerufen, gesagt, dass das Haus nichts für uns ist.
Zwei Tage und zwei Nächte, die ich von diesem Haus träumte, später einen neuen Besichtigungstermin gemacht. Diesmal länger, ohne Makler.
Zwei Stunden im Haus und im Garten verbracht.
Traumhaus [Haustraum] – Abschied
Ein relativ niedriger fünfstelliger Betrag trennt uns und die Eigentümer unseres Traumhauses noch voneinander. Wir wollen diese Summe nicht mehr drauflegen, weil das bedeuten würde, wir würden das Geld, das nun monatliche Reserve ist, komplett für ein Haus ausgeben, das auch noch renoviert werden muss. Es wäre nichts mehr über, keine Luft zum Atmen, keine Sonderausgaben, nichts. Das geht nicht. Nicht mit einem Alleinverdiener und vier Kindern. Nein.
Es ist trotz alledem relativ „wenig“ Geld, wenn man die Gesamtsumme betrachtet und wir liegen weit über allen anderen Geboten. Seit über drei Monaten warten wir nun und die letzte Aussage der Eigentümer ist nun: dann warten wir eben. Wir haben ja keine Eile. Haben sie wirklich nicht. Sie haben das Haus vor zwei Jahren für fast das Doppelte angeboten und seitdem gehen sie bei verschiedenen Maklern immer Schritt für Schritt runter. Sie scheinen da tatsächlich keinen Druck zu haben.
Wir allerdings gehen jetzt weiter. Auch mit dem Risiko, dass vielleicht in einem halben Jahr genau dieses Haus für genau unseren Preis wieder angeboten wird. Wir können und wollen jetzt nicht stehen bleiben. So sehr ich mir Vorwürfe mache, nicht lange genug durchzuhalten, so erleichtert bin ich. Wie lange muss man auf etwas warten, das perfekt ist? Woher weiß man, dass man wirklich das Perfekte gefunden hat? Wann gibt man auf? Was zählt ein weiteres halbes Jahr? Schweren Herzens haben wir das Haus ad acta gelegt. Und wir haben diese Entscheidung nicht leichtfertig getroffen.
Und wenn man einmal mit ganzem Herzen eine Entscheidung getroffen hat, so schwer sie auch fiel, dann sollte man einmal tief durchatmen und sich auch erlauben, weiterzugehen.
Haus des Grauens
Wir haben ja schon viel gesehen. Sehr viel. Sehr Unmögliches.
Aber das ganze Haus in AfterShave zu tränken, überall diverse Tabletten herumliegen zu lassen und als Extraschmankerl mehrere Pistolen neben dem Laptop zu deponieren und dann zu „Sehen Sie sich doch in Ruhe um“ zu animieren, ist schon…
…speziell.
Haus
3000 Quadratmeter.
Krümeliger, schwarzer Mutterboden.
3 Meter hohe Rhododendrenbüsche überall auf dem Grundstück verteilt.
10 Zimmer.
3 Bäder.
Wald.
Ein Bach.
Hohe alte Bäume.
Noch 8 Tage bis zur Entscheidung. Zwischen Hoffen und Bangen.
Warten, Weihnachtsmann, Wünsche…
Mein Weihnachtswunsch?
Ich habe keinen. Ich bin glücklich. Ich habe einen Freund und Gefährten für mein Leben, ich habe vier lebende Kinder, wir sind eine Familie und ich lebe ein Leben, das ich gewählt habe.
Manchmal ist es tatsächlich so einfach.
Bedenkzeit wollen sie haben. Bis nach Weihnachten. Ich nehme es als gutes Zeichen, dass sie das neue höhere Gebot nicht einfach abgelehnt haben. Sie wollen Bedenkzeit. Das ist kein Nein, oder? Oder? ODER?
„Weißt du, was jetzt das Wichtigste ist, Mamimausi?“, fragte mich der Kobold vorhin, als ich den Kindern am Mittagstisch die neue Situation erklärte.
„Hm?“, machte ich leicht verwirrt und sah ihn fragend an.
– „Dass wir jetzt mal so viele Kekse backen, dass wir nicht immer alle aufessen. Sonst können wir dem Weihnachtsmann ja gar keine rausstellen, wenn er unsere Geschenke bringt.“
Wo er Recht hat… Ich habe mich in den letzten Wochen tatsächlich in Gedanken sehr gehen lassen, seit meine Eltern wieder präsent sind.
Habe mich einige Male dabei ertappt, dass ich gar nicht bei ihnen bin, wenn ich mit ihnen zusammen bin. Bin ungeduldig, sehr.
Ich bin dann mal Kekse backen und konzentriere mich auf das Wesentliche im Leben.
Licht [hell]
Und plötzlich steht auf dem Kostenvoranschlag ein dicker Batzen weniger Geld als eingeplant. Und man verbringt einen Nachmittag mit Keksen und Kaffee und drei im Schnee tobenden Kindern vor dem Küchenfenster mit den Besitzern des Hauses und schließt sie endgültig ins Herz.
Wir haben Kekse mitgebracht und die Diele vollgematscht.
Und alles, was diese Frau tut, ist entzückt quietschen, als meine Dreckferkel wunderbaren Kinder ihren Flurteppich ruinieren.
Und dann ist da Hoffnung.
So.viel.Hoffnung.
Nächste Runde.
Erschöpfungszustand
Wir haben das Elternhaus unserer Kinder gefunden.
Was so romantisch daherkommt, wird harte Arbeit werden, aber dafür müssten wir es kaufen dürfen. Die Eigentümer leben in zweiter Generation in diesem Haus, das immer schon ein Elternhaus war und wollen es theoretisch zwar verkaufen, aber eher nicht so schnell.
Und wenn, dann nur an eine Familie.
Und bevorzugt an uns, die Katze haben(hätten) wir im Sack, wenn da nicht die Theorie wäre. Theoretisch verkaufen – „es eilt ja nicht, oder?“ – „also bis März wäre schon schön, so den Winter über noch hierbleiben zu können. Danach können wir langsam ausräumen.“
Und der Preis.
Wir bekommen für das Geld quasi zwei Häuser oben im Nobelviertel der Stadt, fertig renoviert und auf neuestem Stand. Die Eigentümer wollen diesen Preis für ein Gebäude, das auf dem Stand von 1950 ist.
Theoretisch alles kein Problem, sagt zumindest die Bank, aber da kommt dann für die nächsten Jahre noch mal ein sechsstelliger Betrag für die Renovierung drauf und ich habe wirklich keine Lust, mit vier größer werdenden Kindern an unser Finanzierungslimit zu gehen.
Da steht es also, unser Haus.
Ich halte mich mit depressiven Gedanken von allzu viel Hoffnung ab und auch von dem Drang, jeden Tag hinzufahren und mich einfach im Garten nackt an einen der 20 Meter hohen Bäume zu binden, bis sie uns das Haus verkaufen.
Die Kinder… ich weiß um das Unrecht, ihnen Hoffnung zu machen.
Seit Wochen trage ich nun dieses Haus schon bei mir und ich habe sie gesehen, wie sie dort fangen spielten, wie sie aufblühten… und es geht nur so schleppend voran.
Vorfühlen, Angebote, Besuche, Präsenz zeigen.
Ich bin kurz vorm Durchdrehen.