Frustration. [Hass]

Da hat man die Gefühle weitestgehend im Griff und dann kommt wieder so ein Klopfer. Natürlich kann man als strahlender Held am Telefon dem Tochterkind großzügig  50 Euro als Spende zum Schulspendenprojekt versprechen. Da das Tochterkind bereits alle gesammelten Beträge abgeben musste, haben wir zu dem Betrag, den wir ihr gaben, auch den versprochenen Betrag des Exmannes ausgelegt und mitgegeben. Er wollte das schließlich Tage zuvor sofort überweisen.

Sofort kommt ja dann vielleicht – wenn wir sehr viel Glück haben – in einigen Wochen mit dem Unterhalt, der einen dreistelligen Betrag jeden Monat zu niedrig ausfällt und deutlich unter dem Mindestunterhalt liegt. Kein Problem.

Zweifel am gewählten Weg. Immer mal wieder. Wir haben vor Jahren (und nach dem ganzen Scheiß mit Unterhaltsvorschuss und Co.) entschieden, dass wir ihn laufen lassen. Sobald wir das Jugendamt oder einen Anwalt mit im Boot haben, fängt er an zu lügen und das Kind zu manipulieren. Ich habe jahrelang ein total verstörtes Kind von Umgängen zurückbekommen und ich brauche das nicht mehr. Wirklich nicht.

Wenn eine Siebenjährige panische Angst entwickelt, weil sie nachts alleine in eine fremde Wohnung gesperrt wird, dann ist das nachvollziehbar. Für normale Menschen. Nicht für Arschlöcher.

Je weniger er zahlen muss, desto weniger will er sie sehen oder sprechen.

Vielleicht ist einfach das unser Deal.

HickHack

Gemeinsames Sorgerecht heißt ja für mich vor allem: Entscheidungen muss ich grundsätzlich alleine treffen und wenn es gut war, hat der Ex eine gute Entscheidung getroffen und wenn es schiefgeht, bin ich Schuld, weil ich ihn nicht mehr mit einbezogen habe. Als die Schulwahl anstand, nahmen mein Mann und ich eine Waldorfschule und das Gymnasium hier in die engere Wahl. Wir haben das kommuniziert, wollten diskutieren, als der Exmann da war, aber der erzählte nur von seiner furchtbar schlimmen Schulzeit am Gymnasium und warum er es nicht geschafft hätte und das wäre alles ganz streng und nicht kindgerecht und an der Waldorfschule würde man eh nur seinen Namen tanzen. Er lehnte also beide Vorschläge ab, lehnte eine Diskussion darüber ab und meldete sich nicht mehr.

Das Tochterkind wurde dann von uns am Gymnasium angemeldet und als die ersten Wochen rum waren, der Unterricht zwar straff und anspruchsvoll war, aber das Tochterkind weiter gute Noten nach Hause brachte und Spaß hatte, klopfte sich Ex auf die Schulter und betonte, wie gut seine Entscheidung war. Gab es mal eine Klassenarbeit, die nur mit 1- oder gar mit 2 benotet wurde, fragte der Ex besorgt, wie das denn passiert sei und ob die Schule vielleicht das Kind schikanieren würde. Aber ansonsten alles ruhig.

Das Kind brachte heute das Jahreszeugnis mit nach Hause und dort tummelt sich keine einzige Eins mehr. Nur Zweien. Sie ist jetzt also deutlich „abgerutscht“.

Da er an Zeugnistagen innerhalb einer Stunde über die Noten informiert werden möchte, telefonierten die beiden miteinander und er betonte mehrfach aufgesetzt fröhlich, dass das ja jetzt kein wirklich so schlechtes Zeugnis sei. Das könnte schlechter sein, aber keine Eins… also damit hätte er nun so gar nicht gerechnet. Ich wurde also nach dem Gespräch mit der Tochter ans Telefon gebeten und besorgt wurde gefragt, ob wir das Kind nicht besser vom Gymnasium runternehmen sollten.

Ob es persönliche Probleme hätte. Ob unser Umzug (500 Meter weiter in ein eigenes Haus) damit zu tun hätte.
(Jugendamt! Beratung! Lehrergespräche! Psychologe!)
Uffz.

Das Kind erzählte leider, dass es im nächsten Jahr öfter mal 9 Stunden haben wird und da will er jetzt erst einmal nachsehen, ob das überhaupt rechtens ist.

Immer stur lächeln und winken…

Schuppen [Anne]

Ich brauche deine Seele nicht, um mich zu spüren.
Dein schwarzes Eis lockt so laut, so verführerisch.
Rot, schwarz, violett. Tiefdunkel leuchtend.
Tiefe, die Leben beinhaltet.
Aber nicht mein Leben.
Kein Hass mehr. Aber auch keine Liebe.
Du bist nicht gut für mich.
Du bist großartig.
Vergessen? Niemals.

Leb wohl. Es war so schön mit dir. ♥

Bleibt alles anders

Am Wochenende werden die Kinder wohl ihren Großvater kennenlernen.
Der hat sich nämlich kurzerhand vorhin selber zu uns eingeladen, als er mit dem Mann telefonierte.
Ich bin gespannt, wie es wird.

Da die giftspeiende Frau an seiner Seite, die hier Dinge von sich gab, für die ich jeden anderen verklagt hätte und die dafür sorgte, dass ich den Vater des Mannes zwischen all ihren Beschimpfungen gar nicht hören oder sehen konnte, inzwischen tot ist, sehe ich dem Wochenende sogar sehr zuversichtlich entgegen.
Es ist eine lange Zeit vergangen.
Mir war immer klar, dass irgendwann der Tag kommen würde, an dem sich die Tür Richtung Halbgeschwister meiner Kinder wieder öffnen würde.
Das passiert hiermit.
Er ist das Bindeglied.
Er wohnt mit ihnen zusammen, er ist nun bereit, die Tür auch auf die andere Seite zu öffnen.

Und da inzwischen der giftige Einfluss seitens seiner Frau wegfällt und vielleicht auch die vergangene Zeit das Ihre getan hat, ist ja vielleicht auch die Front auf der anderen Seite nicht mehr so unglaublich verhärtet, so dass wir in die Veränderung langsam hineinwachsen dürfen statt in einigen Jahren zwei pubertierende wütende Jugendliche vor der Tür stehen zu haben, die ihren Vater kennenlernen wollen.

Ich erinnere mich nur mit Ekel an die Zeit damals, in der wir so sehr auf dem Zahnfleisch gingen. Als an den Kindern gezerrt und gezogen und herummanipuliert wurde, dass irgendwann ohne Kraft für einen weiteren Lösungsversuch der Bruch kam.

Und er war endgültig und absolut. Mehr als ich jemals für möglich gehalten hatte. Ich habe in den letzten Jahren, in denen ich mühsam mit dem Exmann um so etwas wie Elternebene gerungen habe und eine Kröte nach der anderen geschluckt habe, um das Richtige zu tun und meiner Tochter ein Vorbild zu sein, oft den Mann und seine Exfrau verflucht.

Sie sind grandios gescheitert. An all den Kleinigkeiten, die nichts und dann doch alles bedeuten und an denen ich mir heute noch manches Mal die Zähne ausbeiße, wenn ich mit dem Exmann kommuniziere (n muss). Damals hatte das alles seine Berechtigung. Aber es ist so viel falsch gelaufen…

Und man kann nicht endlos weit laufen. Nicht ewig.
Der Kreis schließt sich langsam. Und das ist gut.
Ich bin gespannt.

[Und entspannt. Auch wenn ich niemals dachte, in Bezug auf dieses Thema jemals einen irgendwie gearteten Grad an Entspannung zu erreichen.]

leichte Irritationen

Wenn man das allererste Mal mit dem Mann telefoniert, mit dessen Sohn man seit 8 Jahren zusammen ist und seine erste Frage lautet:

„Wo ist mein Sohn?“

Konnte mich gerade noch innerlich davon abhalten, ihn herzlich zum Kaffeetrinken einzuladen.

[Arsen und Spitzenhäubchen]

Unfruchtbarkeit

Es ist zwar relativ lange her, aber ich erinnere mich noch sehr sehr gut an das Verhalten meiner ehemaligen Schwägerin, als bei meinem Exmann die Diagnose 99%ige Unfruchtbarkeit gestellt wurde.

Aufgrund einer nicht erfolgten Mumpsimpfung und Ausbruch der Krankheit im 15. Lebensjahr. O-Ton Schwiegermutter: Naja, Kinderkrankheiten sind halt was Natürliches, wir haben da nix geimpft.

Hmhmm.

Ich erinnere mich an meine Depressionen, an die Verzweiflung, an die Gespräche, die Therapeuten, die Kinderwunschbehandlungen, die Streitereien, die Schuldzuweisungen, die Therapien, die künstlichen Befruchtungen, das Adoptionseignungsverfahren, aber vor allem erinnere ich mich an die jahrelang andauernde Verzweiflung. Den Hass auf Schwangere, auf Babys, auf Frauen, die abtrieben, auf kleine Kinder, auf Männer, auf fruchtbare Frauen, auf so ziemlich alles. Und über allem: endlose Verzweiflung.

Und ich erinnere mich sehr genau an die Reaktionen der Familie und Freunde.

„Ach, das wird schon.“

„Fahrt mal in Urlaub.“

„Versuch doch mal, an etwas anderes zu denken.“

„Such dir ein Hobby, irgendwas.“

„Entspannt euch mal.“

„Das Leben ohne Kinder ist doch auch schön.“

In 6 Jahren Leidensweg hat meine Schwägerin 3 Mal abgetrieben (1. Keine Lust auf Kinder, dafür ist sie zu jung. 2. Mal: Falscher Mann. 3. Mal: Kindstötung im 5. Monat aufgrund der Diagnose Spina bifida). Mehrere Male die Pille danach genommen (falscher Mann, falscher Zeitpunkt). Und war dabei stets mit guten Ratschlägen für mich zur Stelle.

Schwanger werden wäre ja eigentlich ganz leicht, das würde sie ja zu ihrem Leidwesen ständig feststellen. Ich müsste mich nur einfach mal entspannen. Nicht so grübeln. Nicht so verzweifelt sein…

Ich hatte Mordgedanken.
Heute ist es 16 Jahre später.
Sie ist inzwischen verheiratet und versucht seit 2 Jahren schwanger zu werden.
Bislang vergeblich.
Heute hat sie mich angerufen.
Sie weigert sich, ihre Nichte zu sehen. Meine Tochter hatte gefragt, ob sie mal für ein Wochenende zu Besuch komme könne.

Das ginge leider nicht.
Sie kann wegen ihrer Verzweiflung keine Kinder ertragen.
Auch das fast 11jährige Tochterkind nicht, das wäre einfach zu schmerzhaft.

Ich könne mir das ja gar nicht vorstellen, wie schmerzhaft es sei, so lange vergeblich zu versuchen, schwanger zu werden. Ich habe gesagt, ich würde diesen Umstand der Tochter ausrichten, mich verabschiedet und ihr in Gedanken wirklich nur das Beste gewünscht, auch wenn der Teufel auf der anderen Schulter gezuckt hat.

Absurditäten

Beim Wegbringen der Motte im Kindergarten sieht eine andere Mutter irritiert meinen großen Sohn an.

„Warum hast du deinen Sohn dabei? Ist heut keine Schule?“

– „Doch. Aber er ist krank und ich lasse ihn nicht alleine zuhause.“

Sie runzelt die Stirn und sagt zu meinem Sohn: „Dann pass mal auf, dass dich kein Lehrer sieht…“

Ich blinzle irritiert und überlege eine passende Antwort, die auch nur ansatzweise meine Empörung widerspiegelt, ohne pampig zu sein, da nimmt mir mein Sohn diese Aufgabe zwischen zwei Hustenanfällen schon ab:

„Ich bin krank. Nicht auf der Flucht.“

[mein Kobold ♥]

Privatblogs und Werbung

Es wird ja immer mal gerne mal die Parallele gezogen, dass der private Blog so etwas wie ein Wohnzimmer sei, in dem man sich auch nicht auf den Teppich kacken lassen würde, sondern ungezogene Besucher des Hauses verweisen würde.

Andersherum funktioniert das aber auch. Wenn ich bei jemandem ausdrücklich privat zu Besuch bin, mich benehme und einfach nur eine schöne Zeit verbringen möchte, dann erwarte ich auch, dass man mir nicht alle zwei Minuten eine Werbebroschüre in die Hand drückt, weil man Geld braucht.

Verantwortung

„Du nimmst sie doch heute nach dem Kindergarten mit, oder? ODER?“, herrscht sie mich an, als hätte ich gestern versäumt, ihr einen tollwütigen neunschwänzigen Mantikor abzunehmen.

Ich nicke leicht perplex und  sehe ihre Tochter an, da schreit sie schon in ihr Handy: „Ey, Arschloch, du nimmst deinen Sohn heute, sonst wieder Jugendamt.!“

Sie legt das Handy weg und atmet einmal tief durch. „Boah. Ich bin weg. Ich bin heute Abend irgendwann bei dir.“

Äh. [Irgendwann heute Abend ist nicht unbedingt eine Abholuhrzeit, die ich für Fünfjährige gewohnt bin.]

Ich frage noch nach der Telefonnummer für Notfälle, denn ich habe weder ihre Festnetznummer noch eine Handynummer, aber da ist sie schon halb durch das Tor und winkt ab. „Mach, was du für richtig hältst.“

Äh. Ja.

Ich versuche, herauszufinden, ob ihre Tochter Mittagessen für den Kindergarten dabei hat, damit ich weiß, wann ich die beiden abhole. „Mama hat Stress.“

„Ich weiß, Süße.“ Ich lächle ihr zu. „Aber hast du Mittagessen dabei?“ „Nein, wenn Mama Stress hat, bekomme ich nichts zu essen. Ich bin eh zu dick.“

Schütteln

Wenn das Besuchskind telefonisch angekündigt von einem „netten Onkel“ abgeholt wird, den das Kind „kennt und liebt“ und dieser Mann dann dort steht und das fünfjährige Mädchen sofort die Beine zusammenkneift, die Arme vor der Brust verschränkt und jeder Berührung ausweicht, leise nur, aber ganz klar wahrnehmbar, dann bleibt man hilflos.

Und weil ich völlig davon überrumpelt wurde und nicht sehen konnte, was mich so irritiert, blieb ich einfach neben dem Auto stehen, als er sich schon von mir verabschiedet hatte.

Sah, wie sie angeschnallt wurde und sofort eine Hand zwischen ihre Beine legte, als er am Gurt herumfummelte, ihre Beine streichelte und noch etwas gerade zog und richtete und so viel Zeit brauchte, wie ich allerhöchstens, wenn ich die Füße dafür nehmen müsste.

Das Bild sprang in meine Gedanken und ich konnte es einfach sekundenlang nicht sehen, weil es mir so unglaublich vorkam.

„Mein kleines Frauchen“, sagte er leise und mit zarter Stimme, die so gar nicht zu dem Äußeren passen wollte und sie drehte mit zusammengepressten Lippen den Kopf weg.

Was habe ich gesehen? Alles.

Was habe ich gesehen? Nichts.

Hilflos.