Lustspiele Tag 17

Wikipedia sagt: „Die Insekten eröffnen im Dunklen das Paarungsritual mit einem Tanz des Männchens, anschließend laufen Männchen und Weibchen erregt umher.“

Das hört sich an und für sich genauso an wie in der Wohnung, wenn die Nachbarn unter uns anfingen, ihre Balzrituale auszuleben, die in lautes Stöhnen übergingen, handelt sich aber aktuell um putzige kleine Silberfischchen.

Viele. Silberfischchen.

Auf dem Weg zu einer bewohnbaren Gartenküche „mal eben“ den Fußboden samt verrottender Fliesenkante unten rausgerissen, viel über Spinnenarten gelernt und Silberfischchen entdeckt.

Viele. Silberfischchen. Sehr. Viele.

Die Kinder unterteilen neue Baustellen inzwischen in „igitt“ „uäh“ und „OHMEINGOTTISTDASEKLIG“ und ich kann es ihnen nicht verdenken.

So viel Ahnungslosigkeit, Unwissen und falsche Baustoffe auf einem Haufen verarbeitet suchen ihresgleichen.

Falsch angeklemmte Elektroleitungen, nicht verfugte Fliesen, Gewürm und Krabbelgetier wohin man sieht.

Der Elektriker wird deutlicher vierstellig als ich das befürchtet habe, der Schreiner springt ab und zu vor dem Haus aus seinem Auto, rennt die Treppe hoch, nimmt „noch mal eben kurz ein Maß“ und fährt wieder weg und ich habe inzwischen so viele Lagen Tapete und Schmodder von den Wänden gekratzt, dass ich Hautausschlag habe.

Dazwischen das ganz normale Leben mit Fußballturnieren, Geburtstagen, Pubertät, Schule, Kindergarten, Arbeitsplatzwechsel des Mannes und Baby, das definitiv nicht baustellentauglich ist.

Und einem Garten. ♥

[Morgens um 6 Uhr mit Koffein im Garten zu sitzen und der Welt beim Aufwachen zuzusehen und zu erleben, wie nach und nach vier Kinder mit einem verschlafenen „Guten Morgen, Mami“ um die Ecke kucken – unbezahlbar.]

Tag 8

Der Tischler schlug die Hände über dem Kopf zusammen, als er die Fußbodenverlegung sah und baut nun unsere Treppe, der Klempner hat Ähnliches getan, als er die Wasserleitungen sah und kommt nächste Woche für einige Stündchen mit einem Gehilfen wieder, der Elektriker murmelte etwas von einem neuen Sicherungskasten und es wird jeweils wieder deutlich vierstellig.

Das Bett ist ebenfalls zusammengebrochen.

[Hat eben nicht nur Vorteile, dass man keine Rücksicht mehr auf Nachbarn nehmen muss.]

Die gute oder die schlechte Nachricht zuerst?

Gut ist, dass wir eine neue Treppe bekommen. Eine schöne breite dicke Eichenholztreppe, die die kleine Stiege in den zweiten Stock ablösen wird.
Gut ist auch, dass wir zwar ein klitzekleines bisschen Heizung dafür verlegen müssen und ein bisschen Fußboden wegnehmen werden und einen tragenden Eichenbalken absägen müssen, das aber laut Tischler „überhaupt kein Problem“ ist. Mit dem Preis, den er nannte, habe ich gerechnet und Treppen sind zwar teuer, aber machbar.

Schlecht ist, dass der Bau der Treppe 5 Wochen dauert.
Schlecht ist auch, dass die untere Treppe nicht rausgerissen und durch eine Treppe, die die Brandschutzverordnung erfüllt, ersetzt werden kann, ohne dass wir das Esszimmer zumauern oder wahlweise aus der Küche direkt auf die erste Treppenstufe fallen.

Gleichzeitig ist es gut, dass wir nur eine Treppe bauen lassen können, weil das dafür geplante Geld in die nicht geplanten Baustellen fließen kann.
Gut ist, dass die Elektoleitungen in Ordnung sind.
Schlecht ist, dass sie allerdings nicht ordentlich angeschlossen wurden.
Und so werden die Elektriker jede einzelne verdammte Steckdose und jeden einzelnen Schalter ausbauen und neu anschließen müssen. -.-
Schlecht ist, dass ich keinen Herdanschluss habe.
Gut ist, dass er gelegt werden kann. Mit nur so einem winzigen bisschen Dreck, wenn auch die Kabel für Waschmaschinen- und Spülmaschinenabsicherung gelegt werden.

Gut ist, dass wir die Katzen schon hergeholt haben und sie sich gut einleben.
Schlecht ist, dass der riesige böse Kater des Vorbesitzers aus dessen neuer Wohnung ausgerissen ist, sich drei Tage und 8 Kilometer durch unbekannte Wildnis geschlagen hat, um heute Abend hier aufzutauchen und unsere Katzen verprügeln zu wollen.

Gut ist, dass ich ihn einfangen konnte und schon zurückgebracht habe.
Schlecht ist, dass der Mann und ich körperliche Einschränkungen (nicht nach Relevanz sortiert: verdrehtes Knie, Hexenschuss, Erkältung, Bronchitis bei chronischem Asthma) haben, die unsere Pläne, selber umzuziehen, zunichte gemacht haben.

Gut ist, dass ein sehr netter Umzugsmensch nächste Woche einen Termin freimachen konnte und vier Männer uns den Rest unserer Einrichtung bringen.
Gut ist, dass es mit jedem Wischen und jedem Saugen etwas sauberer wird.
Schlecht ist, dass 20 Jahre Dreck wirklich richtig festsitzen.
Gut daran ist, dass wir reichlich Geld zwischen den Holzdielen finden.

Schlecht ist, dass das obere Bad falsch gelegte Wasseranschlüsse hat. Es ist in der Dusche leider nur möglich, bei sanft kochendem Wasser langsam gar zu werden, andere Temperatureinstellungen gibt es nicht.
Gut ist, dass unten im Bad zumindest warm gebadet werden kann.
Gut ist auch, dass der Klempner morgen kommt.

Gut ist ebenfalls, dass dieser gleichzeitig die marode Gasleitung in der Küche abklemmen UND etwas zur Heizung unter der noch nicht vorhandenen Treppe sagen kann.

Morgen geht das Handwerkerkarussell in die nächste Runde und ich frage mich, was dann wieder für Neuigkeiten auf uns warten.

(wir ham so nen Spass hier)

Am Glücksgefühl ändert das Ganze nur wenig.

Garten.

Haus. Glückliche Kinder und niemanden, der bei jedem Trampeln mit dem Besenstiel gegen die Decke klopft…

Zwischenmeldung

Bin fast durch die morschen Verlegeplatten des Wohnzimmers in den Keller gebrochen. Keine weitere Dämmschicht, nichts.

Wir schlafen dort. Und wir schlafen gut dort.

Irgendwann in den nächsten Stunden wird Telefon/Internet abgeklemmt und ab morgen Abend (so hoffe ich), geht es dann im Haus weiter.

Kommentare sind so lange moderiert.

*seufz*

(wir haben Spaß)

Gleich: Versicherungsmensch, Tischler, Schornsteinfeger. Dazwischen: Schule, Kindergarten, Geburtstagsplanung, Umzug.

Räuber mit Sandalen

„Mami, Mami!“, brüllt der Kobold heute durch den Garten.

Ich wage einen Blick durch die Gartenküchentür nach draußen und bemühe mich, nicht loszuschreien.

Der Sohn hat das gelbe Springseil der Motte dazu benutzt, sie zu fesseln und hinter sich herzuziehen. Blätter und Äste haben sich in ihren langen Haaren verfangen und überall klebt Dreck an ihr.

In der Hand hält der Kobold einen dicken Knüppel, den er bedrohlich über ihrem Kopf schwingt.

Ich bin ja schon was länger Mutter und atme erstmal, da das Mottenkind weder schreit noch weint.

„Ja, Kobold?“

„Wir spielen ein neues Spiel! Das spielen wir auch immer in der Schule! Weißt du, wie das heißt?“

„Nein, wie denn?“

„Räuber und Sandalen!“

Ich bemühe mich, nicht laut loszukichern und verbessere: „Du meinst Räuber und Gendarm, Spätzchen.“

„Räuber und was?“

„Räuber und Gendarm, Kobold, so heißt das. „Gendarm“ kommt aus dem französischen und bedeutet…“

„Nein. Mami.“ Er blickt mich augenrollend an. Entnervt beginnt er mit seiner Erklärung: „Das heißt „Räuber und Sandalen“. Und das geht so: Es gibt Räuber und Polizisten. Die Polizisten müssen die Räuber fangen. Ich bin ein Polizist und Motte ist ein Räuber. Ich hab sie jetzt gefangen und bringe sie ins Gesindehaus. Das ist das Gefängnis.“

„Hmhm.“, mache ich. „Und die Sandalen?“

„Was?“

„Na, wenn es Räuber und Sandalen heißt, was haben die Sandalen damit zu tun?“

„Oarrr, Mami. Glaubst du, die tragen jetzt Winterstiefel? Ist doch so warm. Darum Sandalen.“

[Ah.]

Tag 3

Die Treppe ist tatsächlich in der Mauser.

Sie hat nun nicht nur die Fliesen abgeworfen sondern heute auch noch ganze Stufenhälften, als ich Restfliesen wegen der Verletzungsgefahr entfernte.

Wer das betoniert hat ohne Stahl einzuziehen, der sollte rechts und links eins an die Ohren bekommen.

Gut, dass das Haus einen weiteren Eingang hat, falls die ganze Treppe hinfällig ist oder zu gefährlich zu betreten sein wird.

Dort allerdings sind dieselben Fliesen und ein Gitter, das schon verdächtig knirscht, wenn man es betritt, so dass ich nur darauf warte, einen halben Meter tiefer zu liegen, wenn ich dort entlang gehe.

Die Holzdielen im Wohnzimmer sind fast weg, der altersschwache Akkuschrauber wird morgen durch ein neues Werkzeug ersetzt, weil es sehr kontraproduktiv ist, immer drei Stunden zu warten, bis man weiterschrauben kann.

Die Schrauben (immerhin Kreuzschlitz) sind völlig ausgeleiert, schief sowieso und waren wahrscheinlich im Sonderangebot, anders kann ich mir nicht erklären, dass man jede einzelne Diele mit 12 Schrauben befestigen muss.

Zusätzlich dazu hat man – als die Dielen sich zusammenzogen – einfach ein bisschen Holzleim von oben in die Fugen geschüttet. Nicht sehr sauber, nicht sehr hilfreich. Der Teppich unter den Dielen macht mir Atemnot und ich bin froh wenn er draußen ist.

Seit gestern hängt die erste Schaukel im Haus und wie konnte ich nur jemals ohne freiliegende Eichenbalken leben?

Der Kühlschrank ist im Haus.

Die Kinder waren heute nur so ein bisschen hysterisch und morgen kommen die Rauchmelder – das bedeutet, wir schlafen morgen die erste Nacht im Haus.

Ich habe keine Ahnung wie, ich habe keine Ahnung wo, aber das mit den Plänen haben wir ja inzwischen aufgegeben.

Wird sich schon finden.

Tag 2

Die Panik ist über Nacht geblieben. Wie schaffe ich das mit dem Baby und drei Kindern im laufenden Betrieb? Panik, die nicht klar denken lässt.

Vor nächstem Dienstag weiß ich nicht, ob eventuell die Wände wegen der Elektrik aufgerissen werden müssen. Das heißt, jedes „wohnlich machen“ hat ohnehin keinen Sinn bis dahin, wenn es denn gehen würde.

Heute morgen versuche ich, die hinteren vier Räume des Erdgeschosses von Urin, Schimmel, Tierexkrementen und normalem Dreck zu befreien. Mit Baby natürlich.

Heute Nachmittag dann den Wohnzimmerfußboden rausreißen, der uns gestern so unangenehm überrascht hat. Wunderbare dicke alte Holzdielen, die vor 20 Jahren irgendein Idiot auf mehreren sich zersetzenden feuchten Plastikteppichen stümperhaft verlegt hat.

Der Untergrund hat eine ganz eigene Art von Leben entwickelt.

Ich werde gleich herausfinden müssen, ob ich sie zwangsräumen kann oder aufgrund ihrer Evolutionsstufe erst mit ihnen verhandeln muss.

Tagwerk, Tag 2

Die Kinder weinen.

Sie kommen nicht damit klar, dass wir noch abends in die Wohnung fahren müssen, um hier zu schlafen. Ich kann aber unmöglich schon dort schlafen, so wie es da aussieht.

Ich habe heute wieder mehrere Kanülen, haufenweise Tabletten und viele Nadeln gefunden.

Eingetrocknete Katzenkotze, verrottetes Zeug.

Eingetrocknete dicke braune Flecken, die überall auf den Fliesen festkleben und sich bei Wasser/Putzmittelberührung in eine schleimige zähe Masse verwandeln.

Und Müll. Überall Müll.

Es gibt so viele Ecken, so viele Nischen, in denen einfach was liegengelassen wurde, dass ich fast durchdrehe.

Über Lampen, Bilderrahmen, Regale… rege ich mich ja schon gar nicht mehr auf, aber es verlangt mir einiges ab, diese Dinge anzufassen, die seit mehreren Jahren nicht mehr saubergemacht wurden.

Das ist nicht nur Staub, das ist urgs.

Materialfehler. Die Fliesen, die unter mir leise vor sich hin knacken, sind auf federnden Verlegeplatten verlegt worden. Es wippt, knackst und wackelt vor sich hin und ich habe beim Putzen aufgehört, mir über die vielen Risse Gedanken zu machen. Ich mag eh keine Fliesen und hässlich sind sie obendrein, also dürfen die auch weg. Wieder mehr Arbeit.

Aber nicht heute. Auch morgen noch nicht.

Jetzt sind sie erst mal sauber und ich wusste mir nach mehreren Schritten (Lappen. Schwamm. Bürste.) nicht mehr anders zu helfen, als – wie im Schlachthaus – eimerweise Wasser in den Raum zu kippen und mit einem Schrubber und sehr viel Spülmitel erst einmal den ganzen Dreck wegzuschrubben, der sich in mehreren Jahren dort festgesetzt hat.

Herr Honig hatte einen Riesenspaß (Offene Türen, Garten, Mami schüttet Wasser auf den Fußboden, das nach draußen läuft!!!!einself!!!11!1!), ich weniger.

Immerhin nimmt der Ekel ab, wo die Muskelschmerzen zunehmen.

Die Eingangstreppe hat heute ihre Fliesen verloren.
Vielleicht ist sie in der Mauser.
Ich werde das beobachten.

Überraschungen Tag 1

Völlig erschlagen vom Tag.

Einen in Tränen aufgelösten Vorbesitzer an die Brust gedrückt. Lange.

Ein wirklich ekelhaftes Klo geputzt.

Unangenehme, sehr blöde, sehr arbeitsintensive, sehr teuer zu behebende Überraschungen entdeckt.

In einer Küche mit Tür in den Garten gekocht.

Vor Dreck starrende Kinder in die Badewanne gestopft.

Mit dem Baby bei Sonnenschein einen Mittagsschlaf auf der Wiese vor dem Haus gemacht.

Erschöpft.

Verzweifelt.

Glücklich.

Jetzt erst mal eine Nacht über die unschönen Sachen schlafen, Entscheidungen treffen und morgen geht es weiter.